Präambel

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Produkt-ISBN: 9783956543524
Inhaltsverzeichnis
Bornholm: Die Vorschau
Hintergründe & Infos
Landschaft und Geologie
Die Küste - Klippen und Sandstrände
Das Zentrum - Hügel und Wälder
Eiszeitliches Erbe
Pflanzen und Tiere
Inselflora
Inselfauna
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte
Bornholm im Mittelalter
Der Kampf um die Ostsee
Wirtschaft und Handwerk im 18./19. Jh.
Bornholm im Zweiten Weltkrieg
Von der Nachkriegszeit bis heute
Kunst und Kultur
Felszeichnungen, Bauta- und Runensteine
Mittelalterliche Kirchen
Historische Vierseithöfe
Bildende Kunst
Kunsthandwerk
Literatur
Klima und Reisezeit
Anreise
Anreise über Rügen
Anreise über Kopenhagen
Anreise mit dem Flugzeug
Anreise mit dem eigenen Boot
Unterwegs auf Bornholm
Mit dem eigenen Auto
Mit dem Wohnmobil
Mit dem Bus
Mit dem Schiff
Mit dem Fahrrad
Taxis und Mietfahrzeuge
Übernachten
Ferienhäuser (Ferie- og Sommerhuse)
Hotels und Pensionen (Hoteller og Pensioner)
Jugendherbergen (Vandrerhjem)
Campingplätze (Campingpladser)
Essen und Trinken
Gutes aus dem Lebensmittelregal
Bornholmer Fischspezialitäten
Frokost zum Mittagessen
Restaurantbesuch am Abend
Getränke
Feste und Feiertage
Die wichtigsten Sommerevents im Überblick
Feiertage
Kultur auf einen Blick
Sportliche Aktivitäten
Angeln und Sportangeln
Golf und Minigolf
Klettern
Reiten
Wandern und Radfahren
Wassersport
Wellness
Bornholm - Reiseziele
Der Westen
Rønne
Store Torv (Marktplatz)
Hjorths Fabrik (Keramikmuseum)
Erichsens Gård
Kulturhistorisk Museum
Hauptwache
Rønne Theater
Rønne Fæstning (Forsvarsmuseum)
Rund um Rønne
Arnager
Nylars
Vestermarie
Klemensker
Nyker
Hasle
Grønbechs Gård
Hasle Kirke
Rund um Hasle
Der Norden
Die Küste nördlich von Hasle
Helligpeder
Teglkås
Jons Kapel
Vang
Rund um Vang
Festung Hammershus
Geschichte
Rundgang
Halbinsel Hammeren
Hammerodde
Salomons Kapel
Hammer Fyr (Leuchtturm)
Hammer Havn
Sandvig
Allinge
Rund um Allinge
Die Küste zwischen Allinge und Gudhjem
Sandkås
Tejn
Helligdomsklipperne und Døndal
Bornholms Kunstmuseum
Abstecher ins Hinterland
Olsker
Rutsker
Der Osten
Gudhjem
Oluf Høst Museum
Gudhjem Kirke
Gudhjem Museum
Rund um Gudhjem
Melsted
Die Küste zwischen Gudhjem und Svaneke
Saltuna
Bølshavn
Listed
Svaneke
Rund um Svaneke
Die Küste zwischen Svaneke und Nexø
Årsdale
Abstecher ins Hinterland
Paradisbakkerne
Ibsker
Østermarie
Østerlars
Der Süden
Nexø (Neksø)
Andersen Nexø Hus
Nexø Museum
DBJ Museum
Nexø Kirke
Sommerfuglepark
Bright Park Bornholm
Rund um Nexø
Die Küste zwischen Nexø und Dueodde
Balka
Snogebæk
Dueodde
Die Küste zwischen Dueodde und Arnager
Østre und Vestre Sømarken
Boderne
Abstecher ins Hinterland
Poulsker
Pedersker
Åkirkeby
Åkirke
NaturBornholm
Rund um Åkirkeby
Almindingen
Ekkodalen
Gamleborg
Rytterknægten
Lilleborg
Bornholms Brand Park (Trabrennbahn)
Ertholmene (Erbseninseln)
Christiansø
Frederiksø
Græsholm
Kleiner (Rad-)Wanderführer
Tour 1: Wanderung an der Küste von Rønne nach Hasle
Tour 2: Runde um die Halbinsel Hammeren
Tour 3: Auf dem Drahtesel zu den Höhepunkten im Norden Bornholms
Tour 4: Zu Fuß von Gudhjem zu den Helligdomsklipperne
Tour 5: Fahrradrunde von Gudhjem zu Rø Plantage und Spellinge Mose
Tour 6: Wanderung von Gudhjem ins Kobbeådalen
Tour 7: Küstenwanderung von Svaneke nach Nexø
Tour 8: Paradisbakkerne - Wandern im Paradies
Tour 9: Strandwanderung an der Südküste Bornholms
Tour 10: Wanderung durch Almindingen - grünes Herz der Insel
Index
Alles im Kasten
Bornholms Trolle: Nachrichten aus der Sagenwelt I
Bornholmer Höhenflüge
Universelle Orientierung
Bornholms Trolle: Nachrichten aus der Sagenwelt II
Die Guldgubber von Sorte Muld
Trolle, Meerjungfrauen und Fabelwesen: Der Steinpark bei Nylars
Hotel Jons Kapel
Leonora Christina Ulfeldt: Prinzessin, Landesverräterin und Hexe
Gräber und Skulpturen: Künstlerisches Vermächtnis zweier Bildhauer
Wo die Zeit „herkommt“
Das Wisent-Projekt: Wie Wildrinder zur Renaturierung beitragen
Freiheitskämpfer in Gefangenschaft: Szenen aus dem Arresthaus
Kartenverzeichnis
Insel Übersicht
Ronne
Bornholm
Geologische Karte
Fährverbindungen
Buslinien
Der Westen
Der Norden
Allinge
Der Osten
Gudhjem
Svaneke
Der Süden
Nexo
Ertholmene
Übersicht der Wanderungen
Wanderung 1: An der Küste von Rønne nach Hasle
Wanderung 2: Rund um die Halbinsel Hammeren
Wanderung 3: Höhepunkte im Norden Bornholms
Wanderung 4: Helligdommen und Døndal
Wanderung 5: Rø Plantage und Spellinge Mose
Wanderung 6: Von Gudhjem ins Kobbeådalen
Wanderung 7: An der Küste von Svaneke nach Nexø
Wanderung 8: Paradisbakkerne - Wandern im Paradies
Wanderung 9: An der Südküste Bornholms
Wanderung 10: Almindingen - grünes Herz der Insel
Zusätzliche Informationen
Was haben Sie entdeckt? Haben Sie eine ein gemütliches Restaurant, eine schöne Wanderung oder ein nettes Ferienhaus entdeckt? Wenn Sie Ergänzungen, Verbesserungen oder neue Tipps zum Buch haben, lassen Sie es uns bitte wissen!
Schreiben Sie an: Andreas Haller, Stichwort „Bornholm“ | c/o Michael Müller Verlag GmbH | Gerberei 19, D - 91054 Erlangen | andreas.haller@michael-mueller-verlag.de
Vielen Dank! Für die Unterstützung bei der Recherche für diesen Reiseführer bedanke ich mich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bornholms Velkomstcenters in der Inselhauptstadt Rønne. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei den Bornholmern, die mir mit Tipps und Hinweisen weitergeholfen haben. Ein besonderer Dank geht an Steffen Fietze für die Erstellung des Kleindiagramms auf Seite 45.
Unterwegs mit Andreas Haller
Inhaltsverzeichnis
2., Komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage 2016
Auf der Hitliste Bornholmer Merk-, Denk- und Sehenswürdigkeiten nehmen die sogenannten Wackelsteine einen bescheidenen Rang ein. Warum, mag dahingestellt sein; vermutlich liegt es jedoch an der Tatsache, dass die Steine auf den ersten Blick unspektakulär wirken. Einmal bin ich sogar versehentlich mit dem Rad an einem Wackelstein vorbeigefahren. Und das, obwohl an der Straße eigens ein Schild mit der dänischen Aufschrift rokkesten auf das Objekt hinwies. Aber was, zum Kuckuck, ist eigentlich ein Wackelstein?
Wackelsteine sind Granitfindlinge aus der letzten Eiszeit. Sie wurden von den Gletschern rund geschliffen und über die Erdoberfläche geschoben. Nach der großen Eisschmelze blieben sie ganz einfach liegen, und wenn an bestimmten Stellen erhebliche Kräfte auf die tonnenschweren Brocken einwirkten, konnten sie gefährlich kippeln, schaukeln und wackeln. Im 19. und 20. Jh. rückten die drei verbliebenen Findlinge auf Bornholm in den Fokus der wachsenden Freizeitwirtschaft und mauserten sich zu veritablen Ausflugszielen. Gestandene Männer probierten sich an ihnen - unter den bewundernden Blicken des schönen Geschlechts. Allerdings man muss schon wissen, wo genau die Kraft zu walten hat. Viel Glück beim Ausprobieren!
2., Komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage 2016
Text und Recherche: Andreas Haller Lektorat: Anja Elser, Nicola Braun (Überarbeitung) Redaktion: Heike Dörr Layout: Susanne Beigott Karten: Janina Baumbauer, Annika Diedrich, Judit Ladik, Annette Seraphim, Gábor Sztrecska GIS-Consulting: Rolf Kastner Fotos: Andreas Haller Grafik S. 10/11: Johannes Blendinger Covergestaltung: Karl Serwotka Covermotive: oben: Sandstrand bei Balka, unten: Inselhauptstadt Rønne, gegenüberliegende Seite: Windkraftanlagen im Süden Bornholms (alle Andreas Haller)
Zusätzliche Karten
Übernachten
1Rønne Nordskov Camping
2Skovly
7Det Lille Hotel
9Posthuzed
10Danhostel Rønne
11Galløkken Strand Camping
Essen & Trinken
3Poul Pava
5Hansens Bøfhus
6Café Gustav
8Selma’s Home Cooking
12Di 5 Stâuerna
Café
3Poul Pava
6Café Gustav
Bars & Clubs
4O’ Malley’s Irish Pub
Bornholm: Die Vorschau
Ein göttliches Stück Erde
Als nach biblischen sieben Tagen der Herrgott sein Werk vollendet hatte, war noch etwas Material übrig. Er formte es, warf es ins Meer und schuf daraus Bornholm - die Krone der Schöpfung. Das Eiland in der Ostsee ist wahrhaftig ein göttliches Stück Erde. Die heute zu Dänemark gehörende Insel wirkt wie ein Skandinavien en miniature: Anmutig schmiegen sich frisch getünchte Fachwerkhäuser an enge Hafenbecken, in denen Fischerboote und Segeljachten vor Anker liegen. Im Norden ist die Küste steil, in den Felsklippen wohnen Seevögel. Im Süden hingegen locken lange Sandstrände zum Baden. Das Hinterland ist von Felsspalten durchzogen, Moore und Heide laden zu Wanderungen und Radtouren ein, rund ein Viertel der Insel ist von Wald bedeckt. Hin und wieder wachen mittelalterliche Kirchen von einsam gelegenen Hügelsolitären über die Küste und ihre Bewohner. Und an manchen Tagen reicht der Blick von den Aussichtspunkten bis zu den Erbseninseln weit draußen im Meer.
Mallorca des Nordens
Wer hier wohnt, ist privilegiert, denn Bornholm verzeichnet durchschnittlich zwei bis drei Sonnentage mehr als die übrigen Gebiete Dänemarks. „Capri des Nordens“ oder „Mallorca des Nordens“ wird die Sonneninsel in der Ostsee deshalb auch genannt. Das Flair in den Hafenstädtchen ist mitunter mediterran, in den Gärten gedeihen Pflanzen, die sonst eher am Mittelmeer heimisch sind. Bornholms ausgezeichneter Ruf als Badeziel überrascht daher wenig. Bei Wasserratten sehr beliebt sind die langen Sandstrände im Süden zwischen Dueodde und Arnager, der Sand ist hier so feinkörnig, dass er als Füllung für Sanduhren verwendet wurde. Kaum weniger populär ist der Sandstrand von Balka mit dem einzigen Wassersportzentrum der Insel. Weitere einladende Strände finden Sonnenanbeter an der Westküste sowie ganz im hohen Norden in Sandvig. In Svaneke und Dueodde ist das Wasser am saubersten; hier weht seit Jahren die „Blaue Flagge“ - das internationale Ökolabel prämiert vorbildliche und nachhaltig bewirtschaftete Badezonen.
Auf Rappen und Rädern
Am besten lässt sich die vielfältige Landschaft Bornholms auf zwei Rädern, mit dem Pferd oder zu Fuß erschließen. Denn manch märchenhaft gelegenes Ausflugsziel liegt nicht immer bequem an der Landstraße, sondern mitten in der Walachei. Zu den Granitfelsen der Halbinsel Hammeren oder den Klippen von Jons Kapel führen schmale Pfade; die Attraktionen im drittgrößten Wald Dänemarks (Almindingen) entdeckt man am besten mit dem Fahrrad oder ebenfalls auf Schusters Rappen; die Felsformationen an der Schärenküste sowie manch botanische Rarität genießt man beim entspannten Spaziergang. Küstenpfade und Fahrradwege sind gut markiert, sodass kürzeren oder längeren Exkursionen nichts im Weg steht. Ausflugskioske oder Cafés sind ebenfalls zur Genüge vorhanden. Und zur Not tut es auch ein lukullisches Picknick im Freien.
Inselgeheimnisse
Hügelgräber und Menhire, die in großer Zahl über die Insel verstreut liegen, wirken - würde man es nicht besser wissen - als wären sie direkt der Erde entwachsen. Daher verwundert es auch nicht, dass Einheimische in den Grabhügeln die Heimstätten der Trolle vermuteten. Die Geschichten vom unsichtbaren Kleinvolk ranken sich um geheimnisvolle Naturphänomene, mittelalterliche Kirchen und verleihen stillen Moorlandschaften eine fast mystische Aura. Auch die vier wehrhaften Rundkirchen Bornholms, Wahrzeichen der Insel, sind noch nicht gänzlich erforscht. Wurden sie in der Vergangenheit tatsächlich als Wehrkirchen zur Verteidigung genutzt? Oder handelt es sich um heidnische Relikte, die erst seit der Christianisierung Bornholms ihrer heutigen Bestimmung zugeführt wurden?
Mit Kind und Kegel
Lange Zeit war das Ostseeeiland eine klassische Destination für Senioren. Die älteren Jahrgänge sind natürlich noch immer willkommen, aber inzwischen hat sich Bornholm verstärkt anderen Zielgruppen zugewendet. Die vielleicht wichtigste Gruppe sind heute Familien. Kaum ein Feriengebiet ist so kindgerecht wie Bornholm: Das Mittelalterzentrum bei Gudhjem, der Freizeitpark Joboland bei Svaneke, das Naturerlebniszentrum bei Åkirkeby und viele weitere Einrichtungen haben sich auf Familien regelrecht eingeschossen. Hinzu kommen die Strände und familiengerechte Ferienhäuser. Nach und nach löst sich die Urlaubsinsel vom überkommenen Image eines altmodischen und dem Prinzip der Bewahrung verpflichteten Reiseziels. Heute ist das „neue“ Bornholm auf Schritt und Tritt zu spüren: Pensionen, Cafés oder Galerien geben sich ein hippes Outfit, um alternative Zielgruppen anzusprechen.
Sonne über Gudhjem
Egal ob altes oder neues Bornholm, ein Evergreen sind die Heringsräuchereien. Ihre hoch aufragenden Kamine sind zu Wahrzeichen der Insel geworden. An rustikalen Holztischen verzehren die Gäste frisch geräucherten Hering, Makrele, Dorsch oder Lachs. Besonders in Svaneke und Hasle prägen die Räuchereien die Skyline; wer auf sich hält, muss zumindest einmal hier einkehren und Bornholms Nationalgericht probieren: „Sonne über Gudhjem“ meint nichts anderes als frisch geräucherten Hering mit besonderen Zutaten - ein leichtes und gleichwohl schmackhaftes Mittagsgericht. In der Hauptsaison haben die Räuchereien auch am Abend geöffnet, müssen sich jedoch reichlicher Konkurrenz hochklassiger Restaurants erwehren. Wer es hingegen einfacher mag, sucht eine der zahlreichen „hyggeligen“ Kneipen auf; der populäre skandinavische Begriff ist das Pendant zur urdeutschen Gemütlichkeit.
Flagge zeigen
Zum Verdruss vieler Einheimischer gehört Bornholm seit der Verwaltungsreform 2007 zur Region Hovedstaden. Die politischen Geschicke der Insel werden seitdem vom neuen Verwaltungssitz in Hillerød auf Seeland gelenkt; Rønne ist jedoch nach wie vor Gemeindesitz. Das Verhältnis Bornholms zum dänischen Mutterland ist distanziert, was wegen der Entfernung zu Kopenhagen nicht weiter verwundert. Das von älteren Menschen noch gesprochene Bornholmsk gilt wegen der Verwandtschaft zum Dänischen als ostdänisches Idiom, schwedische und plattdeutsche Einschläge sind jedoch unverkennbar. Dänen diffamieren den Sprachdialekt daher ab und an als Reservesvensk - Ersatzschwedisch. Das freilich hört man auf der Insel nicht gern, gilt doch Schweden als ungeliebter Nachbar, was wiederum historisch begründet ist. Da ist der Schoß der dänischen Nation doch das kleinere Übel. Lokale Unabhängigkeit betont man gerne mit der eigenen Regionalflagge, die in mehreren Varianten kursiert. Diese Flaggen sind zwar in Dänemark nicht unüblich, auf der Insel wehen sie jedoch besonders häufig.
Hintergründe & Infos
Landschaft und Geologie
Inhaltsverzeichnis
Die Küste - Klippen und Sandstrände
Das Zentrum - Hügel und Wälder
Eiszeitliches Erbe
Wer zum ersten Mal nach Bornholm kommt, ist von der Schönheit und der landschaftlichen Vielfalt überwältigt. Wald und Heide, schroffe Steilküste und sanfte Hügel, einsame Moore und nicht zuletzt die Spaltentäler sorgen für immer neue Natureindrücke.
Die Faustregel für Bornholm lautet: Im Süden ist das landschaftliche Gesicht eher lieblich und von sanfter Weite geprägt, während sich der Norden stärker von seiner rauen und schroffen Seite zeigt. Nähert man sich der Insel mit der Fähre von Südwesten, wie es die meisten Ankömmlinge tun, so ist der erste Eindruck ein anmutiger.
Die Küste - Klippen und Sandstrände
Ekkodalen - Königin der Schluchtentäler
Die Küste bei Rønne wirkt unspektakulär: Im Vordergrund schmiegen sich die Häuser um den Hafen der Inselhauptstadt; die Horizontlinie im Hintergrund bestimmen ein waldreicher Höhenrücken sowie einige Windräder. Etwas weiter nördlich hingegen wird die Szenerie zunehmend dramatisch: Granitfelsen tauchen senkrecht aus dem Wasser der Ostsee, aus den Klippen der Steilküste ertönt Möwengeschrei. Wie eine Krone überragt die Ruine Hammershus die seltsam archaisch wirkende Landschaft. Nach der Ruine entpuppt sich der Granitschild der Halbinsel Hammeren als ein eigener Mikrokosmos und bildet an der Nordspitze Bornholms ein Kap, das weit in die Ostsee stößt. Bei klarer Sicht ist von dort die schwedische Südküste zu sehen. Jenseits der Halbinsel und der Hafenstadt Allinge setzt eine typisch skandinavisch wirkende Schärenküste neue Akzente. Die Bilderbuchlandschaft der Nordostküste wird zu Recht als „Bornholmer Riviera“ bezeichnet. Ein weiteres Mal stürzt das Land senkrecht ins Meer - bei den Helligdomsklipperne handelt es sich um die spektakulärste Steilküste, die Dänemark zu bieten hat. Gudhjem und Svaneke, zwei kuschelige Fachwerkstädtchen an der Riviera, ragen wie ein Bug ins Meer und sind bereits von Weitem zu sehen. Svaneke markiert den östlichsten Punkt Dänemarks, sieht man einmal von der Inselgruppe Ertholmene ab. Die Erbseninseln, wie sie auf Deutsch heißen, sind ein flacher Archipel nordöstlich von Bornholm, der per Fähre mit den beiden Häfen Allinge und Gudhjem verbunden ist. Südlich von Nexø, der zweitgrößten Stadt der Insel, beginnt die Hemisphäre ellenlanger Sandstrände, die durch einen Dünen- und Kieferngürtel vom flachwelligen Hinterland getrennt sind. Herrliche Buchten laden an der Südküste zum Bad im Meer oder zu ausgedehnten Strandspaziergängen ein, bevor einmal mehr die Hafenanlagen der Inselhauptstadt ins Blickfeld rücken.
Das Zentrum - Hügel und Wälder
Abendstimmung im Hammer Havn
Das Hinterland Bornholms zeigt zwei unterschiedliche Gesichter: Von der Südküste steigt das Land sachte an und bildet dabei eine sanft gewellte schiefe Ebene, die im Norden von dem waldreichen Hügelgürtel Almindingen begrenzt wird. Dieser erstreckt sich in west-östlicher Richtung und teilt die Insel in zwei Hälften. Die höchste Erhebung Bornholms, der 162 m hohe Rytterknægten, markiert das Zentrum des Waldgürtels. Nördlich davon prägt abwechslungsreiches Hügelland die landschaftliche Szenerie. Abgesehen von landwirtschaftlichen Nutzflächen - Raps- und Buchweizenfelder bestimmen noch heute in vielen Teilen der Insel das Bild - war Bornholm im Mittelalter fast vollständig bewaldet. Der Bedarf der Menschen an Brenn- und Bauholz lichtete den Wald, das Übrige besorgte die intensive Weidewirtschaft. Mit der Folge, dass der Wald sukzessive verschwand und die Heide an dessen Stelle trat. Etwa 25 % der Insel war um die Wende vom 18. zum 19. Jh. mit Heide bedeckt, die Inselmitte hieß Højlyngen (Hochheide). Im Verlauf des 19. Jh. wiederum musste die Heide der Neuanpflanzung von Mischwald weichen. Die florierende Holzwirtschaft hielt auch auf der Insel Einzug. An der Küste sollten zudem im Süden Kiefern bzw. im Südwesten unterschiedliche Baum- und Straucharten Bornholm auf einen Blick
Fläche und Ausdehnung: Die Insel hat die Form eines Parallelogramms und ist 588 km2 groß (zum Vergleich: Rügen hat eine Fläche von 926 km2). Von der Nordspitze bis zum äußersten Südosten beträgt die Diagonale 40 km, die größte Breite hat eine Luftlinie von 30 km. Für eine Inselrundfahrt auf der Küstenstraße ist man 105 km unterwegs, die Gesamtküstenlänge beträgt 158 km.
Lage in der Ostsee: Bornholm ist der östlichste Punkt Dänemarks, der Weg nach Kopenhagen beträgt 180 km. Kürzer ist der Abstand nach Rügen (90 km), die kürzeste Entfernung ist die nach Schweden (40 km). Im Süden Bornholms kreuzen sich der 15. östliche Längengrad und der 55. nördliche Breitengrad. Im Nordosten sind die Erbseninseln (Ertholmene) vorgelagert.
Höchste Erhebung: Der Rytterknægten mit 162 m liegt im Zentrum der Hügelkette Almindingen, dem drittgrößten Waldgebiet Dänemarks.
Bevölkerung: Der Inselhauptort Rønne ist mit knapp 13.900 Einwohnern (Stand 2012) die bevölkerungsreichste Stadt. Die Insel hat insgesamt 41.300 Bewohner (Stand 2012).
Längster Fluss: Der Øleå mit 13 km entspringt im Naturschutzgebiet Ølene zwischen Almindingen und Paradisbakkerne und fließt bei den Østre Sømarken ins Meer.
die Sandflucht verhindern (der vom Wind aufgewirbelte Sand machte die Felder unfruchtbar). Die staatlichen Förstereien, die zu diesem Zweck eingerichtet wurden, beaufsichtigten den Umbau der Landschaft. Seit den 1960er-Jahren schwingt das Pendel wieder in die andere Richtung: Stück um Stück wird Wald gerodet, Schafe weiden auf den neu entstandenen Lichtungen, um der Heide zu neuem Wachstum zu verhelfen. Auch dieser Prozess geschieht unter Anleitung dieser Förstereien (Plantage): Die Flurnamen bzw. Waldgebiete wie Blykobbe Plantage, Rø Plantage oder Poulsker Plantage weisen auf diese Förstereien hin. Ein weiteres Phänomen im Inselinneren sind die Spaltentäler. Der Druck, den tektonische Bewegungen auf den Granit ausübten, war so groß, dass das Gestein aufriss. Die Risse erweiterten sich zu Spalten, die sich mit weit weniger erosionsbeständigem Material füllten, u. a. mit erstarrtem Magma aus der Erdtiefe (Diabas). Im Verlauf von Jahrmillionen verschwand dieses Füllmaterial und hinterließ die heutigen Spaltentäler, von denen es auf Bornholm nicht weniger als 65 gibt. Das Ekkodalen im Almindingen - dem drittgrößten Wald Dänemarks - ist das bekannteste Spaltental der Insel.
Eiszeitliches Erbe
Die Insel wirkt auf den ersten Blick wie ein kompakter Block. Dieser ist im Wesentlichen ein Werk der letzten Eiszeit und entstand in den letzten 2,5 Mio. Jahren: Die von Norden vorrückenden Gletscher schoben das Gestein zusammen und schufen die heute typische wellige Oberfläche. Die Eisbewegungen schabten das Gestein ab und hinterließen eine blank polierte Oberfläche. Obwohl inzwischen die Vegetation ihren schützenden Mantel über das Gestein gebreitet hat, sind die vom Eis geformten Felsen an zahlreichen Stellen auf der Insel gut zu erkennen. Zum eiszeitlichen Erbe zählen auch die tonnenschweren Findlinge, die sog. Wackelsteine (rokkestenen). Früher gab es tatsächlich zahlreiche von ihnen, die unter großem Kraftaufwand zum Schaukeln gebracht werden konnten. Heute ist es nur noch ein Felsbrocken, der in den Paradisbakkerne liegt und über 30 t wiegt.
Geologisch betrachtet ist die Landmasse Bornholm ein schräg sitzender Block: Im Norden erhebt sich das Grundgestein (Granit und Gneis) aus der Ostsee, während im Süden die Sedimente vorherrschen (Sandstein und Kalk). Genauer gesagt handelt es sich lediglich um ein schmales Band im Süden und Südwesten, das von Sedimentgesteinen geprägt ist. Im Inselnorden sind diese Sedimente, aus welchen komplexen Gründen auch immer, schlicht erodiert. Obwohl zwischen Grundgestein und Sedimenten über 1 Mrd. Jahre Erdgeschichte liegen, kann oft nur das geologisch geschulte Auge den Unterschied entdecken. Am besten ist die Trennlinie in den Klintebakken ganz in der Nähe des sehenswerten Museums NaturBornholm in Åkirkeby erkennbar. Eine virtuelle Zeitreise durch die interessante Erdgeschichte verdeutlicht dort den Besuchern, dass der „Punkt“ Bornholm nicht immer so ausgehen hat, wie er sich heute präsentiert, und dass er auch nicht immer in den nördlichen Breiten lag. Dieser „Punkt“ Bornholm hat schon einiges erlebt: So war er u. a. bereits vollständig von Eis bedeckt, war einst auch eine Wüste, und in der Kreidezeit, vor ca. 144-65 Mio. Jahren, lebten auf Bornholm sogar Dinosaurier und Krokodile!
Pflanzen und Tiere
Inhaltsverzeichnis
Inselflora
Inselfauna
Trotz der zahlreichen Naturschutzgebiete gleicht die Insel eher einem Park, der sich als fruchtbares Mekka seltener Blumen und Pflanzen entpuppt. Die Tierwelt hingegen beschränkt sich, von Ausnahmen abgesehen, auf Vögel, die im Marschland wohnen oder in den Felsklippen nisten.
Die Gesteinsart ist einer der wichtigsten Faktoren für die Bodenbeschaffenheit und das Pflanzenvorkommen. Aus diesem Grund findet man im Inselnorden, wo Granit den Untergrund bildet, andere Bedingungen als im sandsteingeprägten Süden vor. Botanisch interessierte Gäste auf Bornholm entdecken auch deshalb eine große Pflanzenvielfalt, weil neben den landwirtschaftlichen Nutzflächen große Gebiete mehr oder weniger sich selbst überlassen bleiben. Im Moor fühlen sich natürlich andere Pflanzen und Tiere heimisch als auf der Besenheide, im Küstenmarschland oder in den Felsklippen.
„Seh ich Schwäne nordwärts fliegen ...“
Inselflora
In Sumpfgebieten oder im flachen Grund der Spaltentäler gedeiht u. a. das Nordische Moosglöckchen (Linnaea borealis). Angeblich war das Geißblattgewächs die Lieblingsblume des schwedischen Naturforschers Carl von Linné (1707-1778) und ist nach diesem benannt. Direkt hinter der Küste entdeckt der aufmerksame Wanderer hin und wieder kleine Salzgraswiesen, wo im Frühjahr Orchideen wachsen, u. a. Breitblättriges und Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza majalis und maculata). Im Dünenschutzgürtel an der Westküste gehören weiß oder violett blühende Heckenrosen (Rosa corymbifera) zum allseits vertrauten Bild. Trotz verwandt klingender (deutscher) Namen ist das Wildrosengewächs nicht mit der Stockrose verwandt, die sich häufig in den Gassen an Fachwerkhäusern emporrankt (Alcea rosea); Letztere zählt nämlich zu den Malven und nicht zu den Rosen. An der Ostküste wiederum sind zur Blütezeit im Juni Fingerhut (Digitalis purpurea) und Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) sowie vieles mehr zu entdecken. Wer wiederum die Heide in Blüte erleben möchte, sollte die Bornholmreise in den Spätsommer legen. Dann blüht nämlich die Besenheide (Calluna vulgaris) in allen erdenklichen Varianten, vorzugsweise im typischen Violett. An der windumtosten Felsküste wiederum können sich nur wenige Pflanzen halten, u. a. Nachtschattengewächse, Wegeriche und alle möglichen Flechtenarten. Auch einige endemische Pflanzen, die nur auf Bornholm vorkommen, fallen Kennern ins Auge - u. a. besonders sehenswerte Arten wie Braunstieliger oder Nordischer Streifenfarn (Asplenium trichomanes und septentrionale), Echte Mondraute (Botrychium lunaria), Spieß-Helmkraut (Scutellaria hastifolia) aus der Familie der Lippenblütler oder Weißer Mauerpfeffer (Sedum album) aus der Familie der Dickblattgewächse bzw. Sukkulenten.
Neben dem Gang in die freie Natur bietet der Besuch eines Gartens eine gute Gelegenheit, tiefer in die Flora einzusteigen. Schön ist u. a. der Felsengarten am Hvide Hus zwischen Svaneke und Gudhjem (→ S. 140) oder der orientalisch-fernöstlich inspirierte Garten Fuglesang Haveparadis zwischen Svaneke und Ibsker (→ S. 154 f.). Auf den Erbseninseln wiederum lässt sich der eine oder andere Hinterhofgarten bestaunen. Selbst tropische Pflanzen gibt es auf Bornholm - allerdings nur im Gewächshaus am Stadtrand von Nexø im Sommerfuglepark (→ S. 162 f.).
Inselfauna
Frühling und Herbst auf Bornholm
Ein Tummelplatz wilder Tiere ist die Insel nicht gerade. Und doch gibt es eine Reihe wild lebender Säugetiere wie Füchse, Hirsche und Rehe. Diese waren einmal fast ausgerottet, mittlerweile haben sich ihre Populationen aber wieder erholt, sei es durch natürliche Vermehrung oder Wiedereinführung durch den Menschen. Wildkaninchen kommen inzwischen so zahlreich vor, dass sie als Plage gelten. Sie haben beinahe jegliche Scheu verloren, weshalb es vorkommen kann, dass sie zu früher Morgenstunde durch den Hotelgarten springen. Auch der Amerikanische Nerz oder Mink (Mustela vison) wird nicht gerne gesehen, weil die marderartigen Raubtiere über die Vogelnester herfallen und sich auch ansonsten blendend auf Bornholm zurechtfinden. Sie sind ursprünglich ihren Besitzern entlaufen und haben sich dann vermehrt. Darüber hinaus gibt es rund zehn Arten von Fledermäusen, Igel, Mäuse, Eidechsen, Schlangen und jede Menge Lurche, Frösche und Kröten. Ein besonders erhebender Anblick bei der Anfahrt auf die Erbseninseln sind die Kegelrobben (Halichoerus grypus balticus); scharfe Augen entdecken sie insbesondere auf dem kleinen Felsen namens Tat nördlich von Græsholm.
In den Granitfelsen am Meer wohnen die Möwen
Zu den wild lebenden Tieren gesellen sich auf Bornholm natürlich auch Nutztiere: Ein erhebender Anblick sind frei grasende Pferde an der Schärenküste im Nordosten. Auf dem Vasagård westlich von Svaneke laufen die Schweine - es sind spezielle Züchtungen - frei herum und ernähren sich u. a. von Nüssen und wilden Kräutern (Østermarievej 12, www.vasagaard.dk). Neben dem Kunstmuseum weiden schottische Hochlandrinder, die an ihren langen Hörnern und dem zottig-braunen Fell gut zu erkennen sind. Das gälische Rind ist die erste Viehrasse, die überhaupt registriert worden ist (1884). Zuchtversuche in den Alpen und in den nordischen Ländern haben gezeigt, dass es sich auch außerhalb der schottischen Hochebene wohlfühlt. Seit Sommer 2012 ist im Waldgebiet Almindingen der Wisent (Bison bonasus) wieder heimisch. Der Europäische Bison war lange Zeit gänzlich von der Bildfläche verschwunden (→ Kasten, S. 184).
Die wichtigste Tiergruppe Bornholms sind jedoch die Vögel. Die meisten leben im Süden auf Salzgraswiesen bzw. im Marschland oder im Norden in den Felsklippen. Die wichtigsten Brutzonen sind die Vogelfelsen an der Westküste zwischen Hasle und dem Hammerknuden sowie die Vogelinsel Græsholm, die zu den Erbseninseln gehört. Nicht nur auf Bornholm, sondern überhaupt in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel ist die Sturmmöwe (Larus canus) verbreitet. Sie brütet in Kolonien an der Steilküste und in aufgelassenen Granitsteinbrüchen; ihr Geschrei gehört zur vertrauten Akustik im Nordwesten Bornholms und auf den Erbseninseln. Seltener sind der Tordalk (Alca torda) und die Trottellumme (Uria aalge), die sich beide auf der Insel Græsholm am wohlsten fühlen. Zugvögel sind auf Bornholm eher selten zu beobachten, weil die populäre Vogelflugroute weiter westlich von Fehmarn über Seeland nach Südschweden führt. Dafür leben in den Wäldern, auf Wiesen und der Heide u. a. Saatkrähen, Nachtigallen, Kauze, Kraniche und auch einige Greif- und Raubvögel. Sehr selten ist der Rote Milan (Milvus milvus), der erst in den 1990er-Jahren auf Bornholm eingewandert ist. Wer sich für geflügelte Räuber interessiert, sollte vielleicht die Falknerei im Westen der Insel besuchen, wo u. a. Gänsegeier und Turmfalken zu bestaunen sind (→ S. 94).
Geschichte
Inhaltsverzeichnis
Vor- und Frühgeschichte
Bornholm im Mittelalter
Der Kampf um die Ostsee
Wirtschaft und Handwerk im 18./19. Jh.
Bornholm im Zweiten Weltkrieg
Von der Nachkriegszeit bis heute
Küstenschutzdenkmal bei Nexø
Die Insel lag immer ein wenig im Windschatten der großen geschichtlichen Ereignisse. Betroffen war sie dennoch von den Bewegungen der Menschen und Völker zwischen Skagerrak und Schweden, Baltikum und deutscher Ostseeküste.
Von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter liegt nur wenig aussagekräftiges Material vor. Bei der Rekonstruktion der Inselgeschichte sind Historiker und Archäologen daher gezwungen, sich auf ihren detektivischen Spürsinn sowie auf die Auswertung der zahlreichen Grabungsfunde zu verlassen. Erste schriftliche Quellen tauchen erst im 9. Jh. n. Chr. auf. Ein Element zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch die Inselhistorie: Auf Bornholm findet stets alles etwas später als andernorts statt. Zeitliche Moden, die auf dem europäischen Kontinent bereits wieder im Abklingen waren, hatten nicht selten auf Bornholm noch eine Zukunft - denn hier gingen die Uhren schon immer etwas langsamer.
Vor- und Frühgeschichte
Steinzeitliche Jäger waren die ersten Menschen, die sich auf Bornholm aufhielten. Um etwa 8000 v. Chr. gelangten sie auf die Insel, die damals durch eine waldreiche Landzunge mit Rügen verbunden war. Diese Menschen lebten vom Fischfang oder von der Elchjagd und siedelten auf der Halbinsel Hammeren sowie an der Ostküste. Das zunehmend wärmer werdende Klima verbesserte die Lebensbedingungen, und die ersten Ackerbaukulturen der Jungsteinzeit (ca. 3900-2400 v. Chr.) entwickelten sich. Grabungen legten monumentale Ganggräber aus dieser Epoche frei, in denen man Äxte und Bernsteinperlen fand. Besagte Grabbeigaben wurden ab 2400 v. Chr. vermehrt von Flintdolchen abgelöst (damit sind Dolche aus Feuerstein gemeint, die mit einer speziellen „Flachhautechnik“ bearbeitet wurden). Aufgrund dieser Funde wird die folgende Epoche bis ca. 1800 v. Chr. in Dänemark und Schleswig-Holstein auch Dolchzeit genannt. An deren Ende traten erstmals Gegenstände aus Metall in Erscheinung, die Nordische Bronzezeit (1800-530 v. Chr.) sowie die Römische und Germanische Eisenzeit (bis 800 n. Chr.) warfen ihre Schatten voraus. In der Bronzezeit änderten sich die Bestattungssitten, aus dieser Epoche stammen u. a. Felsritzungen und Bautasteine (→ S. 33 f.), die es auf Bornholm ebenso zahlreich gibt wie die typischen Steinhügelgräber (Röser). Lange vermuteten die Menschen in den besagten Hügeln die Wohnsitze der Trolle (→ Kasten, S 26 und S. 42). Der Siedlungsschwerpunkt lag in jener Zeit in den küstennahen Zonen im Osten der Insel zwischen Svaneke und Stammershalle. Münzfunde belegen eine teils beträchtliche Handelsaktivität mit dem europäischen Kontinent, größeres Aufsehen in der Archäologieszene erregte ein umfangreicher Goldfund bei Svaneke - die Guldgubber von Sorte Muld (→ Kasten, S. 84).
Bornholms Trolle: Nachrichten aus der Sagenwelt I
Viele der alten Sagen sind verbunden mit Naturphänomenen wie besonderen Bäumen oder Steinen. Andere beziehen sich auf historische Ereignisse wie diese: In einer Nacht im Jahr 1645, man schrieb die Zeit der Kämpfe gegen die feindlichen Invasoren aus dem Norden, gewahrte eine Strandwache eine sich nähernde schwedische Flotte. Leider hatte sich die Schutzgarde aufgrund eines Verrats aus dem Staub gemacht, und der einsame Wächter sah wenig Sinn darin, allein gegen die feindliche Übermacht zu kämpfen und harrte der weiteren Dinge. Plötzlich nahm er hinter sich ein leises Wispern wahr: „So schieß doch endlich!“, mahnte die Stimme. Ohne dass er recht begriff, lud er seine Flinte durch und begann Schüsse auf den Feind abzufeuern. Und welch ein Wunder: Rings um ihn her schoss und pfiff es aufs Meer hinaus, dass die Invasoren glaubten, ein ganzes Bataillon stünde ihnen gegenüber. Einer nach dem anderen wurde durch die Kugeln niedergestreckt, und Bornholm war glücklich gerettet. Und die Moral von der Geschicht: Trolle, diese hilfreichen Erdgeister, existieren in der Tat. Sie fördern menschliches Bemühen, strafen aber auch, wenn sich der Mensch eitel und hochmütig gebärdet. Insgesamt sind die Menschen gut beraten, dem Rat der Unterirdischen zu folgen.
Doch wer sind diese merkwürdigen Gesellen? Der Legende nach leben sie schon seit jeher auf der Insel - tief im Erdinneren, weshalb sie auf Dänisch underjordiske (Unterirdische) heißen. Und wenn Eltern ihre Kinder von bestimmten Orten fernhalten wollen, dann sagen sie bis heute: „Geht nicht dorthin, denn dort hausen die Unterirdischen!“ Über die Entstehung des Kleinvolkes kursiert folgende Erzählung: Auch wenn die Bibel sich darüber ausschweigt, so kann keineswegs geleugnet werden, dass Adam und Eva im Paradies zahlreiche Kinder hatten. Jeden Tag kam der Herrgott auf einen Besuch und besah sich die Sprösslinge. Damit er sich an ihrem Anblick ergötzen konnte, wusch Eva sie jedes Mal vor seinem Auftauchen. Eines Tages kam der Herrgott zu früh, und eilends versteckte Eva die noch ungewaschenen Kinder im Wald. Als Gott nachhakte, ob denn alle Kinder da seien, griff Eva zu einer Notlüge und bejahte. Aber weil dem Herrn nun einmal nichts entgeht, durchschaute er die Täuschung und verfluchte die versteckten Kinder: Was ihm verborgen geblieben wäre, solle hinfort auch allen Menschen verborgen sein. Seit diesem Ereignis leben jene Nachkommen von Adam und Eva unter der Erde (→ Fortsetzung: Kasten, S. 42).
Bornholm im Mittelalter
Ruine Hammershus: Detailansicht
Die frühgeschichtlichen Gräber wurden auch in späterer Zeit genutzt, ein Beispiel dafür, dass die Germanische Eisenzeit mehr oder weniger nahtlos in die Epoche der Wikinger (800-1050) übergeht. Bis auf einige Runensteine, die zum großen Teil erst nach der Christianisierung Bornholms errichtet wurden, hat das nordische Volk nicht viel hinterlassen. Aus dem frühen Mittelalter ist daher wenig bekannt: Aus anderen Ländern Skandinaviens sind Runen bereits ab Ende des 2. Jh. bekannt, auf Bornholm tauchen sie hingegen erst ab dem 9. Jh. auf; es handelt sich um die frühesten schriftlichen Zeugnisse der Insel. Zunehmender Bevölkerungsdruck und ein Aufschwung im Schiffsbau begünstigten die Raubzüge der Wikinger, die Europa lange Zeit in Atem hielten. Die wichtigste Siedlung der Nordmänner auf dem Kontinent war Haithabu in der Umgebung von Schleswig. Die Wikinger waren in politisch lose miteinander verbundene Clans aufgeteilt, die sich auf jährlichen Thingversammlungen trafen. Die Nordmänner auf Bornholm waren vorwiegend Ackerbauern, die mit Haithabu und anderen Niederlassungen Handel trieben. Die wichtigste Wikingersiedlung der Insel befand sich in Grødby südlich von Åkirkeby, insgesamt untersuchte man 250 Hausbefunde auf der Insel.
Um das Jahr 890 erwähnt eine Quelle die Insel erstmals als Burgundarholmr (Land der Burgunder). Das mittelalterliche Inselwappen, ein goldener Drache auf blauem Grund, ist erstmals im 12. Jh. historisch verbürgt. Heraldische Analogien sowie die erstmalige Namensnennung lassen vermuten, dass in der Völkerwanderungszeit ein Zweig des Hauses Burgund auf die Insel gelangte. Historische Belege hierfür gibt es jedoch nicht. Als 1149 der dänische König Svend Grathe alias Sven III. (ca. 1120-1157) einen großen Teil der Insel dem Erzbischof von Lund übertrug, begann ein neues Kapitel der Geschichte: Von der Domstadt Lund in der südschwedischen Provinz Schonen aus beaufsichtigte der Kirchenhirte den Prozess der Christianisierung, derweil das Ostseeeiland zum Spielball zwischen der Kirche und dem dänischen Königshaus wurde. Möglicherweise residierten die Statthalter oder Regionalfürsten zunächst auf der Lilleborg in den Almindingen, bevor sich ab Mitte des 13. Jh. die Burg Hammershus als neues Herrschaftszentrum etablierte und die politischen Gewichte sich in den Inselnorden verlagerten. Beide Burgen sind heute Ruinen, können aber gleichwohl besichtigt werden. Im Sommer 1259 neigte sich die Waagschale zu Gunsten der Kurie (und damit zu Ungunsten der weltlichen Krone), als im Auftrag des Erzbischofs Fürst Jaromar II. von Rügen (ca. 1218-1260) die Burgen auf Bornholm eroberte und plünderte. In der Folgezeit blieb die Insel ein Spielball der beiden Mächte, ehe 1362 König Valdemar Atterdag bzw. Waldemar IV. (ca. 1321-1375) die Kontrolle über Bornholm errang und man sich salomonisch darauf einigte, dass der Bischof die Insel vom König dauerhaft übertragen bekommt. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo zu Beginn des 16. Jh., als der König Bornholm zurückforderte, blieb die Insel bis zur Reformation unter der Oberhoheit des Kirchenfürsten. Mit dem Ende der erzbischöflichen Herrschaft 1522 endet gleichzeitig das Mittelalter und beginnt die Neuzeit.
Der Kampf um die Ostsee
Abwehrmaßnahmen gegen Invasoren
Die frühe Neuzeit bis zum Schicksalsjahr 1658 war geprägt von zahlreichen Kriegen, in denen verschiedene Großmächte um die Vorherrschaft im Ostseeraum rangen. Die ersten sieben Jahrzehnte gehörten der Lübecker Hanse. Mehrere Plünderungen seitens der Hanseaten versetzten der Insel zunächst empfindliche Nadelstiche, bis 1525 dem Dänenkönig Frederik I. (1471-1533) nichts anderes übrig blieb, als Bornholm den Lübeckern zu verpfänden. Bis zum Ablauf des Vertrags 1576 regierten die von den neuen Lehnsherren entsendeten Vögte, die Festung Hammershus wurde ausgebaut, ein Aufstand gegen die fremden Herren rigoros niedergeschlagen. Manche Kirchenglocke, die noch heute in den Bornholmer Glockentürmen schlägt, wurde damals in Lübeck gegossen und anschließend über die Ostsee auf die Insel verschifft. Während des Nordischen Siebenjährigen Krieges (1563-1570), auch Dreikronenkrieg genannt, schaltete sich erstmals die Ostseemacht Schweden in den Zwist um die Insel ein. Zum damaligen Zeitpunkt war Schweder Kettingk der Inselverwalter, der flugs die Küstenbefestigungen ausbauen ließ, um eine Invasion aus dem Norden zu verhindern. Seine Grabplatte ist heute im Bornholmer Dom in Åkirkeby zu bewundern. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) war es dann doch soweit: 1645 landete der schwedische Generalmajor Carl Gustav Wrangel (1613-1676) mit einem Trupp Soldaten in der Nähe von Nexø und eroberte darauf die Festung Hammershus. Das schwedische Intermezzo währte jedoch nur kurze Zeit, denn bereits wenig später fiel die Insel nach einem Friedensabkommen wieder an die dänische Krone. Allerdings hielt der Status quo nicht lange an: Einmal mehr ein Krieg zwischen dem Staatenbund Dänemark-Norwegen und Schweden im Jahr 1657 führte zu dem für Dänemark so unvorteilhaften Frieden von Roskilde. Die dänische Krone verlor alle ihre Besitztümer in Südschweden und musste bei dieser Gelegenheit auch Bornholm an den ungeliebten Nachbarn abtreten. Dies ließen sich aber Teile der Bevölkerung nicht gefallen, worauf man unter Führung von Jens Pedersen Kofoed (1628-1691) sich des schwedischen Gouverneurs und anschließend des Bürgermeisters von Rønne bemächtigte. Der Handstreich gelang, und die Revolte zeitigte den Erfolg, dass 1658 die Schweden kapitulierten und aus Bornholm verschwanden. Am Jahresende vermachten die Aufständischen ihre Insel für alle Zeiten der dänischen Krone. Es folgte eine lange Friedensepoche, in deren Verlauf die Festung Hammershus geschleift und die Erbseninseln zum königlichen Flottenstützpunkt ausgebaut wurden.
Wirtschaft und Handwerk im 18./19. Jh.
Die Friedenszeit erwies sich als wohltuend für die wirtschaftliche Entwicklung der Insel. Neben der traditionell starken Landwirtschaft und Fischerei etablierten sich andere Erwerbszweige: Weit verbreitet war das Müllerhandwerk. Vor allem in der Osthälfte der Insel zeugen zahlreiche Windmühlen noch heute vom zurückliegenden Boom. Das Handwerk war besonders lukrativ, weil die dänischen Herrscher kein Interesse an ihrem Mühlenprivileg zeigten und daher von den Müllern keine Abgaben forderten. Einige Mühlen sind noch immer in Betrieb: Die Mühle in Åkirkeby verarbeitet Getreide aus Bornholm zu Mehl; in der Museumsmühle von Årsdale ist das Mahlwerk original erhalten (→ S. 152). Auch von den Wassermühlen sind einige noch gut in Schuss - u. a. in Vang und in den Østre Sømarken. Seit den 1930er-Jahren wurde das Gewerbe weniger lukrativ, weshalb in der Folge die meisten Mühlen verfielen.
Ein weiterer wichtiger Erwerbszweig war das Uhrmacherhandwerk. Zwischen 1750 und 1900 waren Bornholmer Uhren ein begehrtes Markenprodukt. 1744 strandete vor der Westküste ein holländisches Schiff, das u. a. englische Standuhren geladen hatte. Die Holzdrechsler nahmen die Herausforderung an, reinigten das erbeutete Material und begannen damit, Uhren nachzubauen. In der Folge entwickelte sich die Inselhauptstadt Rønne zum Zentrum der Uhrmacher. Am begehrtesten wurden die Werkstücke der Gebrüder Otto Poulsen Arboe (1719-1773) und Peter Poulsen Arboe (1726-1766). Die Geschichte der Uhrmacher wird - neben anderen Epochen - im kulturhistorischen Museum in Rønne dokumentiert (→ S. 86).
Im 19. Jh. etablierte sich der Granitabbau als wichtigster Wirtschaftszweig auf der Insel. Die Steinbrüche lagen um Rønne, bei Årsdale und natürlich an der Westküste zwischen Vang und dem Hammerknuden. Ein Entrepreneur besaß i. d. R. mehrere Granitbrüche, wobei nicht wenige eher provisorischen Gruben von überschaubarer Größe glichen. Die industrielle Produktion entwickelte sich seit den 1820er-Jahren, als Inselkommandant Poul Magnus Hoffmann (1778-1842) bei Rønne damit begann, den Abbau im großen Stil zu betreiben. In Vang startete der erwerbsmäßige Abbau erst Ende des 19. Jh. mit Gründung der Vang Stenhuggeri durch den Steinmetz Jacob Mogensen. Die Chiffre „Klondyke“ (→ S. 104) spiegelt die damals aufkeimende Goldgräberstimmung wider. Um die Steine besser abtransportieren zu können, ließ er eigens eine Kipploren-Schienenbahn an der Westküste verlegen. Ein Sturm zerstörte diese jedoch Anfang des 20. Jh., die Reste sind noch heute am Küstenschutzpfad zu entdecken. Im „Stein“ arbeiteten zumeist ganze Familien, die Kinder mussten mittags das Essen bringen. Seit den 1890er-Jahren herrschte in der Granitindustrie akuter Arbeitskräftemangel, der durch Gastarbeiter aus Schweden gedeckt wurde. Die physischen Anstrengungen und die bittere Armut der Beschäftigten dokumentierte der Schriftsteller Martin Andersen Nexø in seinen Büchern (→ S. 41 ff.). Neben dem Granitabbau etablierte sich die Steinhauerei und -schleiferei als bedeutender Wirtschaftszweig. Italienische Arbeitsmigranten waren für den Know-how-Transfer von der Apenninhalbinsel verantwortlich. Einen lebendigen Einblick ins Reich der Steinklopfer und Natursteinmetze gewährt das Steinbruchmuseum zwischen Allinge und der Burg Hammershus. Es handelt sich um einen Granitsteinbruch, in dem heute noch gearbeitet wird (→ S. 120).
Bornholm im Zweiten Weltkrieg
Bombentrauma - in Ton gebrannt
Truppen der deutschen Wehrmacht landeten im Zuge der Besatzung Dänemarks am 10. April 1940 auch auf Bornholm. Sonderlich groß war die strategische Bedeutung nicht, die Hitler-Deutschland der Ostseeinsel zumaß: Die knapp 8000 Soldaten zogen rasch weiter, am Strand von Dueodde wurden Geschütz- und Bunkeranlagen errichtet, die in strategischem Zusammenhang mit dem sog. Atlantikwall standen. Erst gegen Ende des Weltkriegs rückte Bornholm stärker in den Fokus: Bereits vor Beginn der Besetzung durch die Deutschen war das Eiland ein Auffangbecken von Emigranten gewesen. Ein prominenter Exilant war z. B. der Schriftsteller und Musiker Hans Henny Jahnn, der sich bereits 1934 bei Rutsker niedergelassen hatte und von der Bevölkerung zunächst für einen deutschen Spion gehalten worden war. Dabei wollte er nur schreiben und Pferde züchten. Zweimal erhielt er in den folgenden Jahren Besuch von seinem alten Weggefährten Werner Helwig (1905-1985). Als die Wehrmacht anrückte, verpachtete Jahnn den Hof und zog sich vor der zunehmenden Deutschfeindlichkeit in die Einsamkeit zurück. Heute sind diese beiden literarischen Außenseiter nur einer verschworenen Fangemeinde ein Begriff (→ S. 43)Herbert von Garvens(→ S. 39)
Waffen
Um so größer war der Schock, als wenige Tage darauf russische Flieger Rønne und Nexø mehrfach bombardierten.Bombennächte
Nach 1945 rückten zwei geopolitische Verschiebungen die Insel zunächst an die Peripherie und wieder zurück ins Zentrum: Nach dem Abzug der sowjetischen Militärs und mit der dänischen NATO-Mitgliedschaft wurde Bornholm zum strategischen Außenposten des westlichen Militärbündnisses. Während des Kalten Kriegs wurde die Insel aufgrund einer Absprache zwischen der dänischen Regierung und der Sowjetunion dennoch nicht zur waffenstarrenden Seefestung ausgebaut, was in den 1950er-Jahren einige konservative Abgeordnete zu kritischen Bemerkungen veranlasste. Die Antennen auf dem Rytterknægten, der höchsten Erhebung der Insel, zeugen jedoch von erheblichen Abhöraktivitäten in östlicher Richtung. Ein weiterer Horchposten befand sich bis 2012 in Dueodde.
heute am Rand der Öresundregion einer europäischen Metropolregion mit dem Ballungsraum Kopenhagen-Malmö. Seit Eröffnung der Öresundbrücke im Jahr 2000 ist sie die wichtigste transnationale Wirtschaftsregion im Ostseeraum.
Verwaltungsreformen(sogn)Bornholms Regionskommune
Ob die Tüftler und Weltraumenthusiasten Kristian von Bengtson und Peter Madsen je einen Gedanken an den griechischen Mythos von Daedalus und Ikarus verschwendet haben, ist nicht überliefert. Die Parallelen sind jedoch - bis zu einem bestimmten Grad - unverkennbar. Beide zeigten sich darüber verwundert, dass staatliche Raumfahrtprogramme regelmäßig Unsummen verschlingen. Die Reise ins Weltall könne vielleicht auch zum Discountpreis bewerkstelligt werden. Gesagt, getan: Eine Spendenaktion brachte 60.000 € ein, die Teile zum Bau der Plattform und der Rakete holten sich die Erfinder schlicht aus dem Baumarkt. Sogar der Verkehrsminister Dänemarks ließ sich vom öffentlichen Buhei, der inzwischen das Projekt „Copenhagen Suborbitals“ beförderte, zu einem Besuch der Werkstatt hinreißen und zeigte sich vom eigenwilligen dänischen Raumfahrtprogramm angetan. Allerdings floppte im Sommer 2009 der erste Testversuch mit einer unbemannten Rakete, die auf dem Meer vor der Insel Bornholm abgeschossen werden sollte. Der dritte Versuch vor Bornholm im Sommer 2011 hingegen glückte: Die in Eigenbau hergestellte Rakete - mit einem Hitzeschild aus Kork und einer Puppe an Bord - flog 8 km in den Orbit, wobei sich in einer bestimmten Höhe planmäßig Raumschiff und Antriebseinheit trennten. Die vorerst letzte Rakete, die am 2. Juni 2013 vom Basislager namens „Spaceport Nexø“ gezündet wurde, trug den schmucken Namen „Sapphire“. Weitere Projekte sollen folgen (Infos unter www.copenhagensuborbitals.com).