Präambel

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Produkt-ISBN: 9783956542572
Inhaltsverzeichnis
Zusätzliche Informationen
Comer See: Die Vorschau
Hintergründe & Infos
Daten und Fakten
Geografie
Flora
Wirtschaft
Umwelt
Geschichte - kleine Chronik
Lesetipps
Reisepraktisches von A bis Z
Anreise
Mit Auto oder Motorrad
Mit der Bahn
Mit dem Flugzeug
Mit dem Fahrrad
Ärztliche Versorgung
Baden
Einkaufen
Essen und Trinken
Fisch vom See
Fleischgerichte
Risotto, Pasta und Polenta
Sonstige Spezialitäten
Die Weine der Seeregion
Feste und Veranstaltungen
Geld
Information
Internet
Kinder
Klima und Reisezeit
Reisepapiere
Sport
Telefon
Übernachten
Unterwegs am Comer See
Mit dem Mietwagen
Mit dem Bus
Mit der Bahn
Mit dem Schiff
Zoll
Ostufer
Colico
Umgebung von Colico
Forte Montecchio Nord
Forte di Fuentes
Pian di Spagna
Lago di Mezzola
Ostufer
Westufer
Von Colico nach Varenna
Laghetto di Piona
Halbinsel von Piona
Dorio
Corenno Plinio
Dervio
Monte Legnone und Monte Legnoncino
Bellano
Ausflug ins Hinterland
Varenna
Von Varenna nach Lecco
Lierna
Mandello del Lario
Abbadia-Lariana
Lecco
Umgebung von Lecco
Westufer
Sorico
Gera Lario
Domaso
Gravedona ed Uniti
Umgebung von Gravedona
Dongo
Menaggio
Umgebung von Menaggio
Von Cadenabbia nach Lenno (Riviera Tremezzina)
Cadenabbia di Griante
Tremezzo
Villa Carlotta
Lenno
Villa del Balbianello
Isola Comacina
Von Lenno nach Como
Ossuccio
Sacro Monte di Ossuccio
Argegno
Val d’Intelvi
Seeuferstraße von Torriggia nach Cernobbio
Laglio
Cernobbio
Como
Umgebung von Como
Brunate
Südufer
Von Lecco nach Bellagio
Von Como nach Bellagio
Bellagio
Villa Serbelloni
Villa Melzi
Von Bellagio nach Erba
Ausflüge vom See
Chiavenna
Umgebung von Chiavenna (Valchiavenna)
Val San Giacomo
Val Bregaglia (Bergell)
Lago di Lugano (Luganer See)
Lago di Piano
Porlezza
Nordufer
Südufer
Seen in der Brianza
Lago di Annone
Lago di Pusiano
Lago di Alserio
Lago del Segrino
Bergamo
Città Alta
Milano
Wandern am Comer See
Wanderung 1: Von Colico zum Forte di Fuentes und zurück
Wanderung 2: Vom Dascio zum Oratorio di San Fedelino (Lago di Mezzola)
Wanderung 3: Vom Rifugio Roccoli dei Lorla auf den Monte Legnoncino (1714 m)
Wanderung 4: Auf dem „Sentiero del Viandante“ von Varenna nach Bellano
Wanderung 5: Abstieg von den Piani d‘Erna zum Piazzale Funivia
Wanderung 6: Von Domaso nach Sorico
Wanderung 7: Von Menaggio über den Sasso Rancio nach Acquaseria
Wanderung 8: Auf dem „Greenway del Lago di Como“ von Colonno nach Cadenabbia
Etwas Italienisch
Index
Alles im Kasten
Der „Lariosaurus“: das Monster vomComer See
Regio Insubrica: grenzüberschreitende Kulturidentität im Seengebiet
Tipps und Tricks für Bahnreisende in Italien
Stilecht essen: italienische Speisenfolge
Erlebnis Bahn: ein Ausflug mit dem Bernina Express
Castello di Vezio: Logenplatz über dem Comer See
28. April 1945: der letzte Tag des „Duce“
Cantù: Mekka für Möbelliebhaber
Crotti im Valchiavenna
Romanik in der Brianza
Das letzte Abendmahl: Leonardos Meisterwerk
Casa di Riposo per Musicisti: Verdis Herzensanliegen
Certosa di Pavia : dekoratives Prachtstück der Lombardei
San Fedele, Soldat und Märtyrer
Kartenverzeichnis
Bellagio
Bellano
Bergamo
Chiavenna
Cólico
Como
Isola Comacina
Lecco
Mailand
Menaggio
Varenna
Wanderübersicht
Wanderung 1: Von Cólico zum Forte di Fuentes und zurück
Wanderung 2: Von Dascio zum Oratorio di San Fedelino
Wanderung 3: Vom Rifugio Roccoli dei Lorla auf den Monte Legnoncino
Wanderung 4: Auf dem "Sentiero del Viandante" von Varenna nach Bellano
Wanderung 5: Abstieg von den Piani d'Erica zum Piazzale Funivia
Wanderung 6: Von Domaso nach Sórico
Wanderung 7: Von Menaggio über den Sasso Rancio nach Acquaseria
Wanderung 8: Auf dem "Greenway del Lago di Como" von Colonno nach Cadenabbia
Zusätzliche Informationen
GPS Mittels GPS kartierte Wanderung. Waypoint-Dateien zum Downloaden unter: www.michael-mueller-verlag.de/gps
Ökotipp: Mit diesem Hinweis haben unsere Autoren Betriebe hervorgehoben, die sich bemühen, regionalen und nachhaltig erzeugten Produkten den Vorzug zu geben.
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Schreiben Sie an: Eberhard Fohrer, Stichwort „Comer See“ |
c/o Michael Müller Verlag GmbH | Gerberei 19, D - 91054 Erlangen | eberhard.fohrer@michael-mueller-verlag.de
Vielen Dank meiner Frau und Wanderbegleiterin Lucie Büchert-Fohrer
Impressum
Text und Recherche: Eberhard Fohrer Lektorat: Matthias Häber, Peter Ritter Redaktion: Annette Melber Layout: Sven Talaron Karten: Hans-Joachim Bode, Judit Ladik, Thomas Vogelmann Umschlagkarte: Thomas Vogelmann Fotos: Eberhard Fohrer außer S. 2 Emily Fohrer, S. 139 Villa del Balbianello © David Paris, S. 192/193 Lungolago di Porlezza © giemmephoto, S. 195 Achim Wigand Covergestaltung: Karl Serwotka Covermotive: oben: Bei Domaso am Westufer unten: Blick auf Bellagio
© Copyright Michael Müller Verlag GmbH, Erlangen 2012-2015. Alle Rechte vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr.
2. Auflage 2015
Unterwegs mit Eberhard Fohrer
Nein, es ist nicht der Gardasee, kein Vergnügungspark am Ufer, keine flächendeckenden Campingplätze, keine Schweinshaxe, kein Teutonengrill. Wer zum Comer See kommt, weiß entweder genau, was er will - oder er will einfach mal „etwas Anderes“ sehen. Als ich das erste Mal den See erlebte, war ich beeindruckt von seiner Vielfältigkeit. Vor allem die Seemitte um Menaggio, Bellagio und Varenna ist mit üppiger und farbenprächtiger Vegetation gesegnet, der intime „Porticciolo“ in Varenna verhalf mir sogar zu einem der schönsten Titelfotos meiner Reiseführer. Natürlich, im Hochsommer sind auch hier die Massen unterwegs, sogar bis USA und Japan hat sich die Schönheit des „Lario“ mittlerweile herumgesprochen. Doch in Deutschland ist der Lago di Como noch keine wirklich Berühmtheit - aber er hat seine Fans, und zwar eingefleischte, die ihm Jahr für Jahr die Treue halten. Der Geldadel hat dagegen den Reiz des Alpensees mit dem mediterran-subtropischen Flair schon lange entdeckt - einst waren es Kardinäle und Grafen, heute sind es Clooney, Schumacher & Co, die sich an den Seeufern einkaufen. Dichter und Künstler verfielen der romantischen Stimmung, Franz Liszt komponierte, Adenauer spielte viele Sommer lang Boccia. Gediegene Villen sind zu besichtigen, herrliche Parkanlagen spiegeln den Glanz vergangener Epochen, schlichte Bergdörfer setzen Kontrapunkte. Trotzdem gab es bislang kaum einen Reiseführer zum See. Dies habe ich immer bedauert und diese Lücke galt es zu füllen - ich hoffe, es ist mir gelungen.
Comer See: Die Vorschau
Der See
Über die Alpen und hinunter zum See: Mit jedem Kilometer steigt das Thermometer, die ersten Weinreben, das stetige Blau des Himmels, ein erster genussvoller „caffè“ in Chiavenna oder Lugano - und endlich die weite Wasserfläche, fjordartig eingebettet zwischen hohen, oft schneebedeckten Berghängen, die bis über 2000 m ansteigen. Schon Goethe ließ sich 1788 auf der Rückkehr von seiner berühmten „Italienischen Reise“ den Abstecher zum Lago di Como nicht entgehen und segelte in der Seemitte zwischen Bellagio und Varenna ein Stück weit nach Norden.
Tiefblaues Wasser, subtropische Flora und alpine Bergwelt, weltvergessene Dörfer an den Hängen, grüne Wiesen und Ländlichkeit im Norden, blumengeschmückte Promenaden und prächtige Villen in der Seemitte - immer wieder besticht die natürliche Schönheit des 55 km langen Alpensees, der von den Einheimischen Lario (vom lateinischen Lacus Larius) genannt wird. Nach Gardasee und Lago Maggiore ist er zwar nur der drittgrößte der oberitalienischen Seen, hat jedoch mit 170 km die längste Küstenlänge und ist mit 410 m sogar das tiefste Binnengewässer Europas. Höchst ungewöhnlich ist auch sein „Grundriss“, denn etwa in der Mitte spaltet er sich wie ein umgekehrtes Y in zwei gleich lange Ausläufer, an deren Enden die beiden größten Städte Lecco und Como liegen.
Der Tourismus hat am Comer See eine lange Tradition, schon im 17. und 18. Jh. begann ein erster Zustrom von Reisenden. Viele Künstler und Literaten fühlten sich von der erhabenen Kulisse und der dichten Atmosphäre angezogen, gefolgt von Geldadel, Prominenz und Politik. Über Jahrhunderte wurden die stillen Seeufer zum Refugium der Reichen und Schöngeistigen Europas. Heute steht der Lario zwar etwas im Schatten von Gardasee und Lago Maggiore, doch viele Stammgäste kommen immer wieder und schätzen die meist ruhige und gelassene Stimmung, die so ganz anders ist als der Massenbetrieb an den Stränden von Riviera und Adria. Der Standard der Unterkünfte ist hoch, vom Grandhotel bis zur Jugendherberge gibt es eine breite Palette von Domizilen, stilvolle Palazzi und Seevillen können gebucht werden, gut ausgestattete Ferienwohnungen mit Seeblick und Pool sind keine Seltenheit. Wandern, Baden und Kultur - hier lässt sich dies alles bestens verbinden, ergänzt durch die erfreuliche kulinarische Tradition am See.
Villen und Gärten
Das Geheimnis des Sees: Sein unvergleichliches Klima. Nach Norden geschützt durch die hohen Alpenkämme bleiben die Temperaturen ganzjährig mild, die Winter sind nahezu frost- und schneefrei, die in der nahen Poebene so drückende Sommerhitze wird durch die Berge wohltuend ausgeglichen, stets weht eine frische Brise. Bereits in der Antike ließen sich Wohlhabende diese Vorzüge nicht entgehen, so besaßen etwa Plinius der Jüngere und seine Familie mehrere Villen im bester Seelage. Seit dem 16. Jh. begann der Adel, später gefolgt vom Großbürgertum, prachtvolle Refugien mit opulenten Parkanlagen zu erbauen und durch Pflanzen aus aller Welt zu bereichern. Vor allem in der Seemitte mit ihrem milden Klima und im Süden um Como reihen sich an den Ufern palastähnliche Villen mit allem Prunk von Klassizismus, Belle Époque und Jugendstil. Rote, violette, rosa und blaue Kamelien, prachtvolle Rhododendren, üppige Magnolien, Azaleen, Rosen, Tulpen, Hortensien, Oleander und Geranien gedeihen in den weitläufigen Landschaftsgärten, umrahmt von Zedern, Zypressen und Palmen, Ginkgo- und Sequoia-Bäumen. Einige der herrschaftlichen Anwesen wurden in Hotels umgewandelt, andere stehen zur Besichtigung offen, allen voran die Villa Carlotta in Cadenabbia, die Villa del Balbianello in Lenno, die Villa Monastero in Varenna sowie die Villen Melzi und Serbelloni in Bellagio. Und auch die Prominenz schätzt sie - nach dem Zweiten Weltkrieg verbrachte Bundeskanzler Adenauer zahlreiche Sommer in der Villa La Collina in Cadenabbia, Michael Schumacher besitzt ein Anwesen bei Lenno und auch Hollywoodstar George Clooney hat sich vor einigen Jahren am Seeufer eingekauft.
Sportlich am See
Die beständigen Winde in der nördlichen Seehälfte werden seit Langem von Seglern und Windsurfern geschätzt, sogar die abenteuerlustigen Kitesurfer sind seit einigen Jahren vermehrt anzutreffen. Surfeinrichtungen und -schulen gibt es vor allem in Domaso und Cólico, Segler reisen nach Dervio am nördlichen Ostufer, dort gibt es mehrere Segelschulen, und auch einige bekannte Regatten auf dem Oberen Lario nehmen hier ihren Ausgangspunkt. Baden kann man etwa von Anfang Juni bis Mitte September, im Juli und August wird das Wasser immerhin bis 24 °C warm. Wanderer finden eine unerschöpfliche Palette von Wegen - vom Seespaziergang bis zum hochalpinen Klettersteig. Und zum Ausgleich lässt sich nach einer anstrengenden Tour am nächsten Tag ein Kanu oder ein Motorboot mieten, Letzteres ist mit oder ohne Führerschein möglich.
Schönste Ziele
Die besten und längsten Strände finden sich im grünen Norden um Colico, Sorico und Domaso. Auf den zahlreichen Campingplätzen treffen sich sportlich ambitionierte Windsurfer, aber auch Familien mit Kindern fühlen sich auf den Badewiesen wohl. Als attraktives Ausflugsziel bietet sich das nahe Städtchen Chiavenna mit seinem historischen Zentrum an, nur ein Katzensprung ist es von dort zum imposanten Wasserfall Cascata dell’Acquafraggia, der sich 170 m tief in die Tiefe stürzt.
In der „goldenen“ Seemitte liegen dagegen mit Bellagio, Menaggio und Varenna die wohl stimmungsvollsten Orte am See, deren historische Villen und Gartenanlagen viel fürs Auge bieten. Vor allem das Westufer um Cadenabbia und Tremezzo zeigt sich in wahrer Belle Époque-Pracht, Menaggio bietet die Atmosphäre eines freundlichen, gut ausgestatteten Touristenorts mit üppigen Uferpromenaden und im weiter südlich liegenden Lenno ist der Besuch der berühmten Villa del Balbianello fast ein Muss. Bellagio punktet dagegen mit seiner traumhafter Lage an der Spitze der Halbinsel zwischen den beiden Seearmen, während Varenna am Ostufer mit seinem malerischen kleinen Fischerhafen als Romantiktipp schlechthin gilt, mit der Villa Monastero einen prachtvollen Uferpark besitzt und noch dazu von einer pittoresken Burgruine überragt wird.
Die zwei südlichen Seeausläufer sind z.T. von Steilufern begrenzt, doch vor allem Como ist mit seinem imposanten Dom und der fußgängerfreundlichen Altstadt ein begehrtes Ausflugsziel. Fast ein Muss ist danach ein Ausflug mit der Standseilbahn in den hochgelegenen Villenort Brunate, wo einem das südliche Seende zu Füßen liegt. Oberhalb von Lecco steigt das über 2400 m hohe Grigna-Massiv an, das mit seinen Kalkzinnen an die Dolomiten erinnert. Mit der Seilbahn kann man in wenigen Minuten das Hochplateau Piani d'Erna erreichen, wo eine Vielzahl von Wanderwegen und anspruchsvollen Klettersteigen wartet.
Und wer noch mehr sehen will, kann dank der gut organisierten Seeschifffahrt per Fähre oder Tragflügelboot bequem und schnell fast alle Küstenorte besuchen - und auch ein Ausflug in die oberitalienische Metropole Mailand ist mit Bus oder Bahn bequem möglich.
Hintergründe & Infos
Im Park der Villa Cipressi in Varenna
Daten und Fakten
Inhaltsverzeichnis
Geografie
Flora
Wirtschaft
Umwelt
Geschichte - kleine Chronik
Lesetipps
Geografie
Der Comer See ist nach Gardasee und Lago Maggiore der drittgrößte See Italiens. Wegen seiner charakteristischen Gestalt in Form eines umgedrehten „Y“ besitzt er mit 170 km jedoch die längste Uferlinie aller italienischen Seen und ist zudem einer der tiefsten Europas.
Seine Oberfläche beträgt etwa 146 km2 (Gardasee 370 km², Lago Maggiore 212 km2), er ist etwa 51 km lang und bis zu 4,2 km breit. Die tiefste Stelle liegt mit 414 m zwischen Argegno und Nesso im südwestlichen Arm des Sees, seine durchschnittliche Tiefe beträgt 154 m.
Wie die anderen großen italienischen Voralpenseen ist auch der Comer See durch die Ausschürfungen mächtiger Eiszeitgletscher entstanden. Verursacht durch das starke Absinken der Durchschnittstemperaturen wälzten sich vor einer Million Jahren gewaltige Eismassen durch die Täler des Alpenkamms in Richtung Poebene, hobelten dabei breite und steile Einschnitte aus und bedeckten sie mit einer bis zu 1000 m hohen Schicht aus Eis. Noch mehrere Eisschübe folgten, dann bildeten sich vor etwa 10.000 Jahren die Gletscherzungen zurück und hinterließen in den Ausschürfungen Schmelzwässer, darunter auch den Comer See. Im Gegensatz zu Gardasee und Lago Maggiore liegt der Comer See aber in einem sog. Zungenbecken, das sich vor den Bergen der Brianza in zwei Arme teilt (mit der Landzunge von Sirmione besitzt der Gardasee ein ähnliches, aber nur im Miniaturformat ausgeprägtes Phänomen). Dank ihrer großen Wassermassen wirken die Seen klimatisch ausgleichend und erzeugen in ihrer nach Norden geschützten Lage am Südrand der Alpen ein Mikroklima, das v. a. am mittleren und südlichen Comer See subtropische und sogar tropische Vegetation begünstigt.
Tourismus mit Tradition
Der Comer See wird vom Fluss Adda durchflossen, der von Osten das Valtellina (Veltlin) entlang kommend bei Colico an der Nordspitze in den See mündet. Er verlässt ihn wieder am südöstlichen Ende bei Lecco und fließt bei Cremona in den Po, während der Comer Arm keinerlei Abfluss besitzt. Am nördlichen Seeende mündet außerdem der von Chiavenna kommende Fluss Mera, der hier den idyllischen kleinen Lago di Mezzola bildet. Zwischen den Mündungen von Adda und Mera liegt das 1500 ha große Naturreservat Pian di Spagna, eins der letzten Sumpfgebiete südlich der Alpen, einst durch Anschwemmungen der Adda entstanden und heute Schutzgebiet für zahlreiche Zugvögel und einheimische Wasservögel.
In Domaso treffen sich die Windsurfer
Vor allem der Norden des Comer Sees ist von hohen Bergen eingerahmt, der höchste ist der 2609 m hohe Monte Legnone südöstlich von Colico, der bestiegen werden kann. Beste Wandermöglichkeiten bieten auch am südöstlichen Seearm das 2409 m hohe Grigna-Massiv, ein Ausläufer der Bergamasker Alpen, und der 1875 m hohe Felsengrat des Monte Resegone oberhalb von Lecco.
Der „Lariosaurus“: das Monster vomComer See
1946, die Italiener waren gerade ein Jahr zuvor ein anderes Ungeheuer am Comer See losgeworden (→ S. 136), tauchte im See vor Colico ein weit harmloseres auf und füllte im November die Schlagzeilen der Lokalzeitung „Corriere Comasco“. „2 bis 3 m lang“, sei es gewesen, „mit starren Augen und einer Krause oder einem Kamm, von rosiger Farbe und mit einem Maul voller Zähne.“ Das sei doch kalter Kaffee, konterte wenige Tage später das Konkurrenzblatt „Corriere Lombardo“, das Monster „Lariosaurus“ sei schon 1940 beobachtet worden. Damals seien Ausflügler bei Varenna in einen Sturm geraten und hätten in einem Wellental eine gewaltige, 10 m lange Schlange mit grüner Haut und schwarzen Streifen gesehen. Nun geht es Schlag auf Schlag. Am 21. November 1946 schreibt der „Corriere Lombardo“ über drei Angler, die das Ungeheuer nahe ihres Bootes bei Varenna gesichtet hätten. Nach der Zeitung „entspricht ihre Beschreibung fast völlig der vor Colico“ - diese Meldung war sogar den New Yorker Zeitungen eine Schlagzeile wert. Aber schon am 22. November meldete die Presse, dass zwei junge Männer den Lariosaurus gefangen hätten: Es sei aber nur „ein riesiger, schrecklicher Stör“ gewesen. Damit wollte man die schöne Monstergeschichte wohl sterben lassen, von der viele vermuteten, dass sie nur eine erfolgreiche Presseente gewesen sei.
Doch so einfach war der Lariosaurus nicht totzukriegen! Am 31. August 1954 sahen ihn Palmiro Bianchi und sein Sohn Sergio bei Argegno erneut: „Es war real, das kann ich bezeugen. [...] Es war 3 oder 4 m entfernt [...] Es war 80 oder 90 cm lang [...] Das Hinterteil glich mehr oder weniger einem Schwein. Ich habe sogar die Beine gesehen. Die Füße waren wie die einer Ente.“ Die nächste Beobachtung stammt vom August 1957. Nach Zeitungsberichten sollen zahllose Menschen am Ufer zwischen Musso und Dongo ein 6 m langes Tier gesichtet haben. Bei Sonnenuntergang sei „zwischen den Wellen ein ungeheurer Kopf“ aufgetaucht, „von dreieckiger Form und mit leuchtenden Augen“. Sein Körper war von „zylindrischer Form, er hatte Flossen und einen Schwanz, der breit war wie der eines Wals. Sein Maul stand stets offen, mit vielen scharfen, weißen Zähnen darin.“ Man rief nach Fischern, die das Monster fangen sollten, doch die einbrechende Dunkelheit verhinderte dies. Einen Monat später befand sich ein Tauchboot in 90 m Tiefe vor Dervio auf der Suche nach der Leiche einer Frau, die bei einem Autounfall in den See gefallen war. Sie erblickten „ein seltsames Tier, das an einem Felsen lehnte. [...] Es hatte einen Krokodilkopf und eine Zunge wie ein Reptil.“ 1965 ließ sich der Mailänder Bildhauer Romano Rui von den Berichten inspirieren und baute ein Gummiungeheuer, das er bei Ossuccio in den See setzte und das so lebensecht war, dass es sowohl Einheimische wie Touristen erschreckte ... ...
Die jüngsten Sichtungen sind dagegen eher unspektakulär. Um 1998 soll ein Hobbytaucher vor Menaggio „eine Begegnung mit einem großen Schatten von einem riesigen Fisch“ gehabt haben. Anfang August 2002 sahen zwei Angler im Intelvi-Tal einen kleinen Alligator mit kurzem, trapezförmigem Kopf und zahnbewehrtem Maul. Und schließlich sichtete der Paddler Ferdinando Viti im März 2004 zwischen Carate Urio und Moltrasio eine riesige Luftblase im See, „die einen Durchmesser von mehr als einem halben Meter hatte.“ Der Zeuge distanzierte sich aber von „allen seltsamen und riesigen Wesen, die der Legende nach den Lario bevölkern sollen“.
Zwei Bücher gibt es mittlerweile zum Thema: Giovanni Gallis Roman „Il Lariosauro“ (2000), der die Ereignisse von 1946 Revue passieren lässt, und Gregor von Laufens „Lariosauro. C’è un mostro nel lago?“ (2003), ein geschickt gemachter Schwindel mit erfundenen Augenzeugenberichten. Man hat einen Song dem Untier gewidmet („El mustru“ von Davide Van de Sfroos), und es besetzt eine Hauptrolle in „L’Inglesina in Soffitta“ von Luca Masali (2004), einem Roman, der zur Zeit des Faschismus spielt - das Monster stellt sich darin als geheimes Boot heraus. Die neue Popularität hat sogar dafür gesorgt, dass mittlerweile „Fotos“ des Monsters im Internet zu sehen sind (z. B. www.massimopolidoro.com/misteri/un-mostro-nel-lago-di-como.html): Die sehr schön gemachten Bilder zeigen ein Nessie ähnliches Wesen mit Höcker und langem Hals - so ist aus dem Riesenfisch mit Krause ein ganz traditionelles Ungeheuer geworden ...
Text und Recherche von Ulrich Magin, Buchtipp: Die Seeschlange vom Comer See, Twilight Verlag 2009
Versteinerungen des Lariosaurus im Castel del Vezio
Flora
Üppige Vegetation: blühender Oleander, Zitronen und...
„Insubrische“ Flora - nach dem Keltenstamm, der einst zwischen Po und den Oberitalienischen Seen siedelte und Mailand gründete - nennen Botaniker die einzigartige Pflanzenwelt mit 1900 Blütenpflanzen zwischen Kastanie und Kaktus, Bergblume und Palme, die es auf so engem Raum nirgendwo sonst in Europa gibt.
An den Ufern des Comer Sees hat der Eingriff des Menschen allerdings die Pflanzenwelt seit Hunderten von Jahren nachhaltig verändert: Aufgrund landwirtschaftlicher Interessen sind Weinreben, Oliven- und Obstbäume heimisch geworden, große Teile der ursprünglichen Waldflächen fielen dieser Kultivierung zum Opfer. Dazu kam das einzigartig milde Mikroklima des Sees, das schon seit Jahrhunderten zur Anlage herrlicher Parks und Gärten mit zahlreichen farbenprächtigen subtropischen und sogar tropischen Pflanzen führte.
Insubrische Flora: Unterhalb der 1000-Meter-Marke ist die Edelkastanie die vorherrschende Pflanze. Die mächtigen Bäume wurden bereits von den Römern um Christi Geburt eingeführt und werden seit dem Mittelalter intensiv genutzt. Ihre mehligen Früchte dienen den Menschen als Nahrung, die Schösslinge als Winterfutter für Ziegen und das Holz als Bau- und Brennmaterial. Den Unterwuchs im Kastanienwald bilden neben Ginster v. a. die zur Mittelmeervegetation zählenden Zistrosen, deren Blätter an Salbei erinnern. Neben sich duldet die Kastanie selten andere Bäume, nur sehr vereinzelt mischen sich Birken und Eschen in den Wald. Außerdem räubert die Kastanie in anderen Vegetationen, so ist der Eichengürtel fast vollständig von der Kastanie verdrängt worden.
Auch der von Edellaubhölzern (vornehmlich Linde, Ulme, Nussbaum und Stechpalme) gebildete Laubmischwaldgürtel zählt zur insubrischen Flora. Kalkhaltige Hänge verschaffen ihm im Sommer die nötige Wärme und Feuchtigkeit und verschonen ihn im Winter weitgehend vom Frost. Überall wo Sonne und Wärme nicht ausreichen, löst die Hopfenbuche die Edellaubhölzer ab. Doch die Licht liebenden, weit verstreut wachsenden Bäume werden von alters her zur Holzgewinnung genutzt und kommen daher nur noch selten vor.
... botanische Vielfalt in der Seemitte
Inneralpine Vegetation: Der Zwergstrauchgürtel mit Alpenrosen und Zwergwacholder oberhalb der Waldgrenze wurde von der Weidewirtschaft weitgehend zerstört. Die Waldgrenze selbst ist in den letzten 50 Jahren von 2300 auf 1900 m zurückgegangen; bis auf 1600 m dominieren Lärchen, nur vereinzelt von den kiefernähnlichen Zirben durchsetzt. Die größte Walddichte besitzt der kontinental geprägte Buchen-Weißtannen-Gürtel zwischen 1000 und 1600 m. Allerdings handelt es sich nicht um einen Mischwald, denn neben der Buche, die nährstoffreiche Böden liebt, kann sich kaum ein Nadelbaum behaupten. Christrose, Akelei und Pfingstrose, die den Unterwuchs in Buchenwäldern ausmachen, gehören bereits zu den insubrischen Arten. Nur an überwiegend trockenen Standorten bestimmt vorrangig die Wärme liebende Föhre die Zusammensetzung des Waldes; sie wird jedoch häufig abgeholzt und durch schnell wachsende Fichten ersetzt. Bei beiden Nadelbäumen bilden überwiegend Alpenrosen sowie Woll- und Riedgras den dürren Unterwuchs.
Eingeführte Pflanzen: Schon seit dem 17. Jh. wurden von Adel und Großbürgertum im Seegebiet Blumen- und Pflanzenarten aus aller Welt in prachtvollen botanischen Gärten und Parks heimisch gemacht, eingeführt u. a. aus Mexiko, Brasilien, Australien, China und dem Himalaja - Agaven, Araukarien und Azaleen, Kamelien, Magnolien und Dahlien, Geranien, Bananen und Rhododendren, Hibiskus und Gingko, Tulpen und Hortensien, Palmen und Kakteen, Zypressen, Zedern u. v. m. Allein im weltberühmten Park der Villa Carlotta (→ S. 135) gibt es auf einem Areal von 5500 m² etwa 150 verschiedene Rhododendron- und Azaleenarten, dazu kommen mehr als 70 verschiedene Nadelholzarten, Palmen, Lorbeerbäume, Papyrus, Japanischer Ahorn, Myrten, Bananenbäume, Korkeichen, Kakteen, diverse Bambusarten, riesige Magnolien, ein Mammutbaum, japanische Koniferen und ein Dutzend Sorten von Clematis. Mittlerweile haben viele Arten die artifiziell angelegten Grundstücke überwunden und genießen an den Seehängen das fast schon mediterrane Klima. Besonders gut gedeiht die Kamelie, benannt nach dem österreichischen Naturkundler und Apotheker Georg Joseph Kamel, von der es mehr als 200 Arten gibt. Ursprünglich stammt sie aus Ostasien, breitete sich aber seit dem 18. Jh. in den Gärten der Villen und Parks am Comer See aus. Sie blüht vom Spätwinter bis zum Frühjahr und bringt dabei ein wahres Feuerwerk von Blüten in vielen Farben hervor - v. a. rot, violett, rosa und blau. Die markante Zwerg- oder Sägepalme (palma nana) wird übrigens auch gerne „Palma di Goethe“ genannt, da sie der Dichterfürst im botanischen Garten von Padua gesehen und in seinem Werk „Die Metamorphose der Pflanzen“ beschrieben hat.
Wirtschaft
Denkmal für Seidenspinnerinnen in Menaggio, Messerproduktion in Premana
Die landwirtschaftlichen Nutzflächen um den See sind in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft. Haupteinnahmequelle ist der Fremdenverkehr. Das Land um den Comer See ist punktuell aber auch industriell geprägt, gerade um Lecco und Como wirkt sich der Sog der Metropole Mailand aus. Como ist heute das wichtigste europäische Zentrum der Seidenverarbeitung, früher stellten die Seidenmanufakturen von Como sogar einen Großteil der gesamten Weltproduktion her. Bereits im 18. Jh. entstanden hier die ersten hydraulisch angetriebenen Webmaschinen, und noch bis zum Zweiten Weltkrieg wurden um den See Seidenraupen gezüchtet. Heute wird die Seide aus China importiert und hier zu Textilien verarbeitet. Insgesamt drei ehemalige Seidenspinnereien sind als Museen zu besichtigen. Im Umfeld von Como findet man außerdem eine große Anzahl an Möbelfabriken (Showroom im Städtchen Cantù) und im nahen Mendrisio (Schweiz) ein umfassendes Designer Outlet. Premana am Ostufer ist dagegen die Scherenstadt Italiens, wo bis zu zwei Drittel aller Messer, Scheren und Geflügelscheren Italiens hergestellt werden.
Umwelt
Am oberen Comer See kam es in früheren Jahrhunderten regelmäßig zu schweren Überschwemmungen am Zufluss der Adda. Die Schwemmmassen, die der Fluss mit sich brachte, wurden zu Sumpfland - die Malaria breitete sich aus. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. regulierten die Österreicher den Flusslauf und bauten einen künstlichen Kanal. Die große Ebene Pian di Spagna zwischen Adda und Mera wurde dadurch entwässert und konnte urbar gemacht werden. Auch wenn die Gefahr der Malaria damit beseitigt worden war, gab es in den letzten Jahren wiederholt schwere Überschwemmungen - nicht nur am Comer See, sondern im ganzen oberitalienischen Raum. Verantwortlich dafür könnte die Klimaveränderung sein, hervorgerufen durch den erhöhten Ausstoß von CO2 und die dadurch verursachte globale Erwärmung.
Historische Wassermarken
Sauberes Wasser für Badeurlauber
Doch die Badeurlauber am Comer See interessiert natürlich in erster Linie die Wasserqualität. Ist der See dem sommerlichen Ansturm gewachsen, reichen die vorhandenen Einrichtungen wie Kanalisation, Kläranlagen etc. aus? Erfreuliches ist hier zu vermelden, denn derzeit wird eine Ringkanalisation am Comer See gebaut, die aller Voraussicht nach die Wasserqualität langfristig spürbar verbessern wird. In den letzten Jahren war die Sauberkeit von durchschnittlicher Qualität - mit Ausnahme von Como und Umgebung, denn der dortige Seearm hat keinen Abfluss, weshalb der Wasseraustausch nur schlecht funktioniert. Die Umweltorganisation „Legambiente“ (www.legambiente.it) untersucht alljährlich den Zustand der italienischen Badegewässer und hat 2013 an 13 von 19 Messstellen am Comer See erhöhte Verschmutzung festgestellt. Bellagio erhielt als einziger Ort fünf „vele blu“ (Blaue Segel) zugesprochen und damit die höchste Qualitätsstufe, Menaggio und Griante (Cadenabbia) am Westufer wurden mit vier Segeln ausgezeichnet. Die begehrte blaue Flagge der „Stiftung für Umwelterziehung“ FEE (Foundation for Environmental Education) hat bisher noch kein Strand am Comer See erhalten.
Geschichte - kleine Chronik
Bronzezeit Bauern, Hirten und Jäger siedeln sich im Seengebiet an. Im Valcamonica nördlich vom Iseosee sind prähistorische Felszeichnungen erhalten, Reste einer Pfahlbausiedlung der Bronzezeit (18.-13. Jh. v. Chr.) hat man südlich vom Lago Maggiore entdeckt.
7. Jh. v. Chr. Die Etrusker aus der Toskana und Umbrien überqueren die großen Sümpfe der Poebene und siedeln sich im Gebiet der Seen an.
um 400 v. Chr. Die keltischen Insubrer überqueren von Norden die Alpen und verdrängen die Etrusker wieder bis über den Apennin nach Süden. Sie siedeln v. a. im Gebiet der Seen, gründen aber auch schon das spätere Mailand.
196 v. Chr.-450 n. Chr.

Die Römer besetzen Oberitalien als Ausgangspunkt für weitere Landnahmen. In der Mitte dieser Provinz Gallia Cisalpina liegt Mediolanum (Ort der Mitte), das heutige Mailand. Sie machen die Ebene urbar und bauen Straßen am See, der Adel errichtet an den Ufern prächtige Sommersitze. In Como werden die beiden Gelehrten Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) und sein Neffe Plinius der Jüngere (61-113 n. Chr.) geboren. Letzterer schreibt die berühmten Pliniusbriefe (369 Briefe in zehn Büchern), die zu den herausragenden historischen Quellen des 1. Jh. n. Chr. gehören. Seine Familie, die zum römischen Adel zählt, besitzt um den Comer See Villen und Landgüter.
um 520 In den Zeiten der Völkerwanderung übernehmen Ostgoten und später Langobarden die Reste des Römerreichs. Die Langobarden errichten ein Herzogtum in Norditalien - auf sie geht der Name „Lombardei“ zurück. Viele Bürger Comos flüchten vor ihnen auf die Seeinsel Isola Comacina, befestigen diese und nennen sie Cristopolis, „Stadt Christi“.
774 Der Frankenkönig Karl der Große wird vom Papst um Hilfe gerufen und erobert das Langobardenreich. Zum Dank empfängt er im Jahr 800 die Kaiserkrone aus der Hand des Papstes.
ab 900 Im Einverständnis mit den Päpsten, die den Einfluss der deutschen Kaiser fürchten, werden die oberitalienischen Provinzfürsten immer mächtiger. Insbesondere die Bischöfe aus Como und Mailand dehnen ihre Machtbereiche über das Seengebiet aus und geraten miteinander in Konflikt.
12. Jh. Während des zehnjährigen Krieges zwischen Mailand und Como (1118-1127) verbündet sich die Isola Comacina mit Mailand. 1159 wird die Stadt jedoch von Kaiser Friedrich Barbarossa besiegt und 1169 macht die kaisertreue Stadtrepublik Como auf der Insel alles dem Erdboden gleich. Kaiser Barbarossa verbietet danach in einem Dekret den Wiederaufbau und der Bischof von Como verflucht die Insel für alle Zeiten. Ein großer Umzug namens „Palio del Baradello“ erinnert noch heute in Como alljährlich an den triumphalen Einzug Barbarossas in die verbündete Stadt (→ Feste). 1176 wird Barbarossa in der Schlacht von Legnano von den vereinten Kommunen Norditaliens, der sog. „Lega Lombarda“, besiegt. Er muss ihre Unabhängigkeit anerkennen. Die vorher erbeuteten Schätze will Barbarossa noch auf Schiffen nach Chiavenna transportieren lassen, doch im oberen Lario werden sie von einer Flotte aus Gravedona geraubt, sogar die Kaiserkrone wird dabei entwendet.
13. Jh. Zwischen den Städten entbrennt der Konflikt von papsttreuen Guelfen und kaisertreuen Ghibellinen. Starke Adelsherrschaften entstehen in ganz Oberitalien, „Signorie“ genannt. Die guelfischen Visconti gründen das Herzogtum von Mailand und expandieren in der ganzen Lombardei. Sie erobern Bellinzona und bauen die strategische Talsperre zur mächtigen Grenzfestung aus (heute Teil des Weltkulturerbes der UNESCO). Am Comer See sind zunächst die Rusca tonangebend, werden aber bald von den Visconti besiegt, die bereits am Lago Maggiore und Luganer See herrschen und ihr Gebiet bis Chiavenna und ins Valtellina ausdehnen.
1441 Francesco Sforza heiratet die einzige Tochter von Filippo Maria Visconti und erhält die Zusage zur Nachfolge im Herzogtum von Mailand. Damit ist der Comer See im Besitz der Sforza.
16. Jh. Nach dem Tod des letzten Sforza-Herzogs fällt das Herzogtum Mailand mit dem Comer See an die spanischen Habsburger. Sie verlegen Truppen an den See und bauen Burgen, da die „Bündner“ (ein Zusammenschluss von drei Bünden im heutigen Graubünden, die sich vom Deutschen Reich losgesagt haben) von Norden ins Valtellina (Veltlin) und zum See drängen. Von 1512 bis 1797 bleiben die Region um Chiavenna und das Valtellina im Besitz der Bündner. Wiederholt fallen auch die Franzosen und Eidgenossen am See ein.
17. Jh. 1629-31 wütet die Pest in Norditalien, eingeschleppt durch deutsche und französische Landsknechte im Dreißigjährigen Krieg. Mehr als 200.000 Menschen fallen ihr zum Opfer. Alessandro Manzoni aus Lecco am Comer See schildert die Mailänder Pest in seinem berühmten Roman „I Promessi Sposi“ (→ Lesetipps).
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts entdeckt der lombardische Adel das klimatisch verwöhnte West- und Südufer des Sees, Villen werden gebaut und es entsteht ein erster Edeltourismus.
18. Jh. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-14) fällt das Herzogtum Mailand an die österreichischen Habsburger. 1796 besiegt Napoleon die Habsburger und erobert die Lombardei. 1797 ruft er einen Großteil Oberitaliens zur „Cisalpinischen Republik“ aus. Chiavenna, Bormio und das Valtellina sagen sich von der Bündner Herrschaft los und werden der Republik angegliedert.
1800-05 1802 wird die Cisalpinische Republik umgewandelt in die Italienische Republik, Vizepräsident ist Francesco Melzi d’Eril (1753-1816), der Bauherr der Villa Melzi in Bellagio am Comer See. 1805 geht die Republik im neuen Königreich Italien auf.
Napoleon baut eine Heerstraße über den Simplon, um Truppen schnell von Paris nach Mailand verlegen zu können. Dies erleichtert später die touristische Anreise zu den Seen.
1815 Nach der endgültigen Niederlage Napoleons werden den Habsburgern auf dem Wiener Kongress Südtirol-Trentino, Venetien und die Lombardei zugesprochen, zu welcher der Comer See gehört.
1817-30 Der Postweg über den St. Gotthard wird zur Straße ausgebaut.
Im 19. Jh. entstanden in der Seemitte prächtige Villen
1848 In Mailand fordern die Revolutionäre die Unabhängigkeit der Lombardei von Österreich. Im März kommt es zu einem Volksaufstand, den die Österreicher nur mit Verstärkung aus Österreich niederschlagen können. In den nächsten zwei Jahrzehnten erkämpft die italienische Einigungsbewegung des „Risorgimento“ (Wiedererstehen) in schweren Schlachten (Magenta, Solferino) die Befreiung von der Fremdherrschaft.
1861 Das Königreich Italien unter Vittorio Emanuele II wird ausgerufen.
Zweite Hälfte Der europäische Adel und das Großbürgertum entdecken den Lago
des 19. Jh. Maggiore und den Comer See als Reiseziele mit idealem Klima. Stolze Paläste und Grandhotels entstehen an den Seeufern.
1882 Die Eröffnung der St.-Gotthard-Bahn beschert dem Seenland Tourismus und einen bescheidenen Wirtschaftsaufschwung.
Erster Die zur Abwehr einer erwarteten deutsch-österreichischen Invasion
Weltkrieg durch die Schweiz errichtete Cadorna-Verteidigungslinie verläuft im nördlichen Bereich des Comer Sees. Das große Forte Montecchio bei Colico soll mit vier mächtigen Kanonen den See nach Norden und Osten schützen. Der befürchte Angriff am Comer See findet jedoch nicht statt.
1919-40 Die großen Hotels aus der Zeit der Belle Époque erleben ihre Blütezeit.
Zweiter Nach der Kapitulation Italiens am 8. September 1943 erstarkt die Par-
Weltkrieg tisanenbewegung in Oberitalien. Mussolini wird von den Deutschen als Marionette für die faschistische Republik von Salò (mit gleichnamiger Hauptstadt am Gardasee, später Mailand) eingesetzt. Auf der Flucht in die Schweiz wird er am 27. April 1945 bei Dongo am Westufer des Comer Sees von Partisanen gefasst und am nächsten Tag im nahen Dorf Giulino di Mezzegra erschossen.
1946 Erstmals taucht das Ungeheuer vom Comer See auf (→ Kasten, S. 18).
1980 Der Gotthard-Straßentunnel wird nach achtjähriger Bauzeit für den Autoverkehr freigegeben. Seit 1987 ist die Autobahn N 2 von Basel über Bellinzona und Chiasso bis Como durchgehend befahrbar.
Regio Insubrica: grenzüberschreitende Kulturidentität im Seengebiet
„Regio Insubrica“ nannten die Römer die Region zwischen Lago Maggiore, Luganer See, Comer See und den Gebirgszügen Monte Rosa und Adamello. Namensgeber war der keltische Stamm der Insubrer, der seit etwa 400 v. Chr. die Region besiedelte und auch Mailand gründete. „Regio Insubrica“ nennt sich heute auch eine grenzüberschreitende Arbeitsgemeinschaft, in der die italienischen Provinzen Sondrio, Novara, Lecco, Como, Varese, Verbano-Cusio-Ossola sowie der Schweizer Kanton Tessin vertreten sind. Sie verstehen sich als Kultureinheit - eine sog. „Euroregion“ -, in der Italienisch und der insubrische Dialekt gesprochen werden (Slogan: „Eine Grenze, die zwei befreundete Länder vereinigt“). Man kümmert sich zusammen um Kultur- und Bildungsprojekte und natürlich auch um den Ausbau des Tourismus. In Como und Varese gibt es sogar eine Università dell’Insubria mit etwa 7000 Studenten (www.uninsubria.it).
„Insubrica“ bzw. „Insubria“ ist aber leider auch - ähnlich wie „Padania“ im Nordosten Italiens - ein Schlagwort der rechtslastigen italienischen Regionalpartei Lega Nord geworden. Abgrenzung gegen den wirtschaftlich schwachen Süden Italiens, Überbetonung regionaler Eigenheiten und Ausländerfeindlichkeit vermischen sich darin zu einem populistischen Gebräu, dessen Anhänger sich am liebsten von Italien abspalten würden.
Lesetipps
Manzoni-Denkmal in Lecco, historischer Druck des Romans „I Promessi Sposi“...
Viele Dichter und Künstler haben sich vom Charme des Comer Sees inspirieren lassen. Das blaue Wasser und die allgegenwärtige Sonne, die blühende Vegetation und die herrlichen Panoramen - all das hat sich auch in einigen literarischen Werken von Rang niedergeschlagen.
Die Brautleute, Alessandro Manzoni, dtv 2003 (frühere Übersetzungen zumeist unter dem Titel „Die Verlobten“). Der Klassiker vom Comer See. Manzoni (1785-1873) wuchs in Lecco am südöstlichen Seearm auf und dort spielt auch sein Roman „I Promessi Sposi“, die Geschichte zweier Liebender während der spanischen Herrschaft in der Lombardei des 17. Jh. Der 1827 erschienene Roman schildert die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit und war ein großer Erfolg, er gilt als erster moderner italienischer Roman, Goethe schätzte ihn sehr. Der spanische Adlige Don Rodrigo will Lucia verführen, doch sie liebt Renzo und will ihn heiraten. Rodrigo lässt sie daraufhin entführen und zu einem für seine Grausamkeit bekannten Raubritter bringen. Dieser wandelt sich jedoch angesichts der Unschuld und Frömmigkeit Lucias zu einem überzeugten Christen und entlässt sie nach Mailand. Dort wütet die Pest (→ Geschichte), Renzo und Lucia stecken sich beide an, überstehen die Seuche aber und können heiraten. Alessandro Manzonis Wohnhaus in Lecco ist gut erhalten und kann besichtigt werden.
Die Kartause von Parma, Stendhal, dtv 2009. Der französische Schriftsteller Marie Henri Beyle (1783-1842) lebte längere Zeit in Bellagio und schrieb dort unter dem Pseudonym Stendhal in der Villa Melzi sein Reisebuch „Rome, Naples et Florence“. Seine Eindrücke vom Comer See hat er im berühmten Roman „Die Kartause von Parma“ verarbeitet (1839), der seit 2007 in neuer, sehr beachteter Übersetzung vorliegt. Schauplätze sind u. a. Mailand, Como, Paris und Genf. Der junge, aufbrausende Fabrizio del Dongo ersticht in der Nähe von Parma wegen einer hübschen Frau seinen Nebenbuhler. Er wird in der Zitadelle von Parma eingekerkert, kann aber entfliehen und verliebt sich in die fromme Clelia. Der Roman gilt als Liebeserklärung Stendhals an Italien und seine Lebensart. Goethe, Balzac und Tolstoi lobten den Roman, den Stendhal in nur 53 Tagen herunterschrieb, überschwänglich.
...und sein Autor
Spaziergang am Comer See, Hermann Hesse. Ein Essay über den See, der für Hesse der „schönste Eintritt ins italienische Land“ ist. Zu finden im Reisebuch „Italien“ (Suhrkamp 1996), in dem Hesses vielfältige Reisetexte zu Italien zusammengefasst sind. „Man ist den Bergen noch nahe und spürt doch schon mit ahnendem Verlangen Ebene und weite, stille Fruchtbarkeit.“ Hermann Hesse lebte lange in Montagnola am nahen Luganer See.
Die Seidenhändlerin, Gabriela Galvani, Aufbau Verlag 2008. Eine historische Familien- und Liebesgeschichte zur Zeit der napoleonischen Besetzung Italiens Ende des 18. Jh., eingebettet in die politischen Wirren der Zeit. Handlungsort sind Como und Lugano. Gabriela Galvani schreibt spannend und sehr kenntnisreich über die Epoche.
Regina Zimet - die Anne Frank des Veltlins, Desertina Verlag 2007. Die dreiköpfige Familie Zimet wandert noch vor dem Zweiten Weltkrieg von Leipzig zu Verwandten in Mailand aus. Als 1943 auch in Italien die systematische Vernichtung der Juden bevorsteht, versuchen sie, die Schweiz zu erreichen. In Morbegno im Valtellina endet der Fluchtversuch und die mutige Familie Della Nave gibt ihnen dort für 16 Monate Unterschlupf. Das 13-jährige Schulmädchen Regina Zimet hat die Flucht und das Leben im kleinen Dorf in ihrem Tagebuch beschrieben. Der Bündner Lehrer Marco Frigg, dessen Großmutter aus dem Valtellina stammt, hat ihre Geschichte auf Deutsch und Italienisch herausgebracht. Anders als bei Anne Frank verläuft Reginas Geschichte glücklich - Familie Zimet überlebt den Holocaust und wandert im Anschluss an den Krieg nach Israel (damals Palästina) aus.
Sommer am See, Alberto Vigevani. Friedenauer Presse 2007. Eine zarte, von vielen Rezensenten sehr gelobte Erzählung aus den 50er Jahren über die Zeit des Heranreifens eines Jugendlichen. Der 14-jährige Giacomo aus Mailand verbringt mit seiner Familie die Ferien in Menaggio und lernt die ersten Lockrufe der Liebe kennen. Die seelischen Gemütsschwankungen des Jungen verweben sich mit den Stimmungen am See.
Der Kanzler und der See. Lago di Como - Land und Leute, Kultur und Konrad Adenauer, Godehard Schramm, Corso Verlag Hamburg. 2012 ist dieses Buch des Nürnberger Schriftstellers und Seenliebhabers erschienen. Es beleuchtet ausführlich Adenauers Sommeraufenthalte in Cadenabbia, kostet die Stimmung am See aus, flaniert durch Geschichte und Landschaft, erzählt Anekdoten und erforscht die Biografien früherer prominenter Seebesucher. Kurzum, es lässt den Leser die Magie des Lago di Como fühlen, der schon Generationen von Künstlern erlegen sind.
Die Toten der Villa Cappelletti, Giovanni Cocco und Amneris Magella, Rowohlt 2014. Das Literatenpaar lebt am Comer See und hat nun seinen ersten gemeinschaftlichen Krimi veröffentlicht, der in Cernobbio bei Como spielt. Ein Ermordeter wird gefunden, dessen Geschichte bis in den Zweiten Weltkrieg zurückreicht. Kein besonderer Tiefgang, aber das Flair des Comer Sees wird lebendig.
Was haben Sie entdeckt? Haben Sie eine gemütliche Trattoria, eine schöne Wanderung, ein nettes Hotel oder einen Campingplatz entdeckt? Wenn Sie Ergänzungen, Verbesserungen oder neue Tipps zum Buch haben, lassen Sie es uns bitte wissen!
Schreiben Sie an: Eberhard Fohrer, Stichwort „Comer See“ | c/o Michael Müller Verlag GmbH | Gerberei 19, D - 91054 Erlangen | eberhard.fohrer@michael-mueller-verlag.de