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Unterwegs mit Andreas Neumeier
„Gleißende Sonne, stahlblaues Meer, Sandstrand, Delphí, Diónysos“ - Grie­chen­land hat unendlich mehr zu bieten als die klassischen Klischees! Wer auf der Suche nach dem „ursprünglichen“ Grie­chenland ist, muss dabei gar nicht viel tun. Es genügt die Be­reitschaft, sich ein Stückchen auf das ent­schleu­nig­te Leben auf dem Land ein­zulassen. Hier, nur we­ni­ge Schri­tte ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de, findet man sie noch übe­r­all: diese fast stoische Ge­las­sen­heit, die hel­le­ni­sche Im­pr­o­vi­sa­tions­kunst und die sprich­wörtliche „Gast-Freund­schaft“, mit der Grie­chen ihre Gäs­te will­kom­men heißen. Ob beim ortho­doxen Os­terfest, bei ei­nem zu­fäl­li­gen Ge­spräch auf der Pla­tia oder in einem ab­ge­legenen Épirus-Berg­dorf - beim Kaf­fee oder ei­nem Glas Tsí­pou­ro findet man schnell Kon­takt, ganz zwang­los, spon­tan und freund­lich.

Auf dem Weg zum Mýtikas

Bei den Recherchen für dieses Reise­buch war es wieder mein Ziel, Ihnen vie­le prak­tische Tipps und Anregungen zu bieten, die Ihnen für die Urlaubs­planung und vor allem vor Ort nützlich sein sollen. Ich wünsche Ihnen viele interessante Ge­sprä­che und schöne Erleb­nisse mit den Menschen in Nord- und Mittel­grie­chen­land!
Hintergründe & Infos
Nord- und Mittelgriechenland erleben
Landschaft
Die Berge sind im Norden des Landes nie weit. Der Épirus, ein rauer und wild­roman­tischer Landstrich am Nordwestrand Griechenlands, erstreckt sich vom Ge­birgsmassiv des Píndos bis zu den Küsten des Ionischen Meeres. Mit etwas Glück kann man hier im Víkos-Aóos-Nationalpark über den 600 m steil abfallen­den Fel­sen Adler kreisen sehen. In dicke Wolken gehüllt präsentiert sich oft der Olýmp, der 2917 Meter hohe „Sitz der Götter“. Wanderfreunde finden hier Routen ver­schie­dener Schwierigkeitsgrade, Bequeme können sich mit dem Taxi fast bis auf halbe Höhe kutschieren lassen.
Reizvolle Spaziergänge bietet das große Naturschutzgebiet der Préspa-Seen an der Grenze zu Albanien, wo man Pelikane beobachten kann. Vom Tourismus noch völ­lig unbemerkt sind die beiden Naturschutzgebiete am Flussdelta des Évros sowie bei Dadiá (nahe Alexandroúpoli). Hier leben Flamingos und eine ganze Reihe vom Aussterben bedrohter Geierarten in freier Wildbahn.

Es kann losgehen - Pack- und Reittier auf Euböa

Strände, Strände, Strände
Griechenlands Festlandküste und die nördlichen Inseln bieten beste Voraussetzun­gen für den Urlaub am Strand. Die ionische (Halb-)Insel Lefkáda an der Westküste bei­spielsweise lockt mit langen Sandstränden, sauberem Wasser und jeder Art von Wassersportmöglichkeiten mit viel Freiraum für die individuelle Urlaubsgestaltung. Auch auf der Pílion-Halbinsel sind die Badequalitäten weitbekannt: kristallklares Wasser, schmale, kesselförmige Buchten - die allerdings nicht immer leicht zu­gäng­lich sind. Die Chalkidikí wiederum hat nicht zu Unrecht das Image einer Cam­ping­halbinsel. Entlang der markanten „drei Finger“ Kassándra, Sithonía und Áthos locken kilometerlange Sandstrände, und auch wenn es an Wochenenden durch die Tagesausflügler von Thessaloníki etwas enger wird, ist die Region trotz­dem guten Gewissens zu empfehlen.
Vom großen Tourismus weitgehend verschont geblieben ist nach wie vor die Insel Euböa, wenngleich auch hier eine Reihe moderner Hotelbauten entstanden ist. Für Erholungssuchende erwähnenswert: Neue Straßen erleichtern inzwischen den schnel­len Zugang zu den bekanntesten Badestränden. Das gilt auch für die Bade­küste um Kateríni am Fuß des mächtigen Olýmp-Massivs, die durch die neue Infra­struktur eine deutliche Aufwertung erfahren hat.
Dörfer und die Metropole
Inmitten einer intakten Natur mit Wasserfällen und tiefen Schluchten verstecken sich, fernab vom Touristenrummel, auf einem riesigen bewaldeten Gebirgsplateau die unter Denkmalschutz stehenden kleinen Zagóri-Dörfer. Die Schlichtheit der aus quaderförmigem Naturstein gebauten und mit dicken Schieferplatten gedeck­ten Häuser beeindruckt. Eine Vielzahl hübscher Dörfer findet sich auch auf der Pílion-Halbinsel. Wenngleich sich die hervorragende Badequalität an den Stränden der sichelförmigen Landspitze längst herumgesprochen hat: Schon wenige Hun­dert Meter vom Meer entfernt freuen sich die Menschen über jeden Besucher, und bei einem Glas Tresterschnaps sind mögliche Sprachbarrieren schnell überwunden.
Kontrastprogramm Athen! Wer die Millionenmetropole und Hauptstadt nicht kennt, kennt Griechenland nicht. Athen ist die Stadt der Hupkonzerte und by­zan­ti­ni­schen Kapellen zwischen klassizistischen Stadtpalästen und planlos hochge­zo­ge­nen Wohnblocks in einem riesigen Talkessel. Und Piräus, ihr Hafen, ist für Ein­hei­mische und Urlauber die Drehscheibe für den Sprung auf die Inseln. Der Trubel auf den orientalisch anmutenden Märkten, das Nebeneinander verschiedens­ter Kultur­kreise in den engen Straßen und Gassen der Pláka, die hoch aufragenden Säulen des Parthenon-Tempels und die Ruhe im Nationalgarten - all das ist so typisch wie in keiner anderen Hauptstadt der Welt.
Säulen für die Ewigkeit
Liebhaber der Kultur und Geschichte vergangener Epochen erwartet eine Fülle von Attraktionen. Höhepunkte der Reise in die Vergangenheit sind natürlich Thes­saloníki, Athen, Korinth und Delphí mit ihren Sehenswürdigkeiten und Museen, doch auch viele andere Stätten warten mit herausragenden Schätzen auf: Pélla, die Geburts­stadt Alexanders des Großen und Hauptstadt des makedo­nischen Reichs; Phílippi, schon zur Zeit des Apostels Paulus eine der wohlhaben­den Städte mit riesi­gem marmorgepflastertem Marktplatz und mächtigen Ba­si­li­ken; Stágira, der Ge­burtsort von Aristoteles und Ausgrabungsstätte an der Ost­küste der Chalkidikí mit Befestigungsanlagen und antiker Polis auf einer land­schaftlich reizvollen Land­zunge.
In Vergína wurden Grabstätten von Philipp II. und seiner Gemahlin entdeckt. Hier bekommt der Besucher reiche Goldschätze, Grabungsfunde und seit ihrer Entde­ckung fast unberührte Grabanlagen in einem unterirdischen Museum zu Gesicht.
Natur- und Wanderfreuden
Getrost kann man die griechische Spöttelei ignorieren, dass nur „Esel und Bauern zu Fuß unterwegs sind“ - nämlich um im Wald Brennholz zu sammeln. Die Wan­dermöglichkeiten in Nord- und Mittelgriechenland sind teilweise hervorragend. Etwa auf der Chalkidikí, wo eine ganze Reihe von gut markierten Wanderwegen und Tracks für Mountainbiker angelegt wurden. Schon einige Hundert Jahre alt sind dagegen die Kalderími-Wege auf der Pílion-Halbinsel, die lange vor der Motorisierung dank ihrer steingepflas­terten Wege die einzigen gangbaren Verbindungen zwischen den Orten der „grünen Halbinsel“ waren und jetzt für die Wanderfreunde getrimmt wurden. Ein einzigartiges Naturerlebnis bietet beispielsweise auch Euböa: Im Schutz des dominanten Óchi-Bergzugs finden sich traumhafte Schluchten, die fast das ganze Jahr über organisiert in kleinen Gruppen oder auf eigene Faust erwan­dert werden können.

Farbenfroher Anthocharis gruneri

Zwischen Himmel und Erde
Die Klöster von Metéora, inmitten einer einzigartigen Szenerie stalaktitförmiger dunkler Felsen, zählen zu den bekanntesten Klöstern weltweit. Eine ganze Reihe von orthodoxen Kirchen und Klöstern lohnt den Besuch: Vom „Lego-Kloster“ Ósios Loukás bei Dístomo, dem prächtig ausgestatteten Kloster Ágios Anastasías Pharma­kolítrias bei Galátista, der Klosterkirche Agios Nikólaos mitten im Vistonís-See bis hin zu den Hunderten von sehenswerten Gotteshäusern in der Metropole Thessaloníki ist die Auswahl grenzenlos.
Ein Muss sind in jedem Fall die festungsartig ausgebauten Klosteranlagen der auto­nomen Mönchsrepublik Athos, die ihre Mönche schon seit über tausend Jahren ge­gen Plünderungen und Piratenüberfälle schützen. Die Fahrt mit einem Aus­flugs­kaiki entlang der Athosküste, etwa von Órmos Panagiás, zählt zu den High­lights in Nordgriechenland.
Aktivurlaub für Groß und Klein
Sonne, Sand und mehr ... Wen nach einer Woche Sandburg bauen und im Meer plan­schen die Abenteuerlust packt, findet für Kind und Familie zahlreiche Ange­bote. Im Aristoteles-Erlebnispark in Stágira können Jung und Alt mit physikali­schen Gerätschaften Phänomene nachvollziehen, die schon vor 2000 Jahren erör­tert wurden. Keine Langeweile kommt auch bei den sogenannten Toroneos-Fahr­ten entlang der Chalkidikí auf, die von mehreren Küstenorten angeboten werden. Die dickbäuchigen Piratenschiffe kreuzen an der Küste entlang und bieten immer wieder Stopps mit Bademöglichkeit. Wer seine Bootsfahrt lieber individuell gestal­ten will, kann in Órmos Panagiás ein Kaiki mieten und damit die Athosküste be­sichti­gen oder abgelegene Badestrände ansteuern.
Die Kókkines-Pétres-Höhle bei Petrálona zählt wegen ihrer Tropfsteinfiguren und ei­niger spektakulärer Funde zu den sehenswertesten Höhlen in ganz Griechenland. Die angenehme Temperatur und ein bequemer 30Minuten-Rundgang machen den Besuch zum Vergnügen.
Spaßbad Waterland, der Name ist Programm: Nach einer Besichtigungstour in Thes­saloníki bietet sich ein Abstecher zu dem 150.000-Quadratmeter-Areal nahe dem Flughafen von Thessaloníki an - grenzenloses Badevergnügen mit Riesen­rut­schen, Wel­lenbecken, Pirateninsel und Schlauchbootfahrten auf einem künstlichen Fluss ...
Und selbst im Epirus-Gebirge gibt es die Möglichkeit einer (kühlen) Erfrischung - in ungefährlichen Badegumpen an einem Bach, der nur wenige Gehminuten von der Brücke bachaufwärts in einer Schlucht beim Zagóri-Dorf Pápingo auf dem Weg nach Mikró Pápingo zu finden ist.

Endlich ... Urlaub!

In Athen, Párga und vielen anderen Urlaubsorten gibt es für Familien die Tsaf Tsoufs, die witzigen Miniaturzüge auf Rädern. In Thessaloníki startet er am Wei­ßen Turm und beschallt Kinder und Eltern auf der etwa 20-minütigen Fahrt in den offenen Waggons mit griechischen Kinderliedern.
Wer dagegen echte Lokomotiven mit historischen Waggons bevorzugt, wird auf dem Pílion von der Schmalspurbahn zwischen Ano Lechónia und Miliés begeistert sein. Der Zug startet im Juli und August täglich morgens in Lechónia und erreicht nach anderthalbstündiger Fahrt sein Ziel im Bergdorf Miliés, wo die Lok auf einer Drehscheibe in Richtung Rückfahrt gedreht wird. Die Fahrt durch Schluchten und über Brücken zählt zu den schönsten Naturerlebnissen in Mittelgriechenland.